Unterhaltsames Schach in Hamburg

von am 7. April 2019 in Nachrichten

Unterhaltsames Schach in Hamburg
Hier stehen 2,5 Punkte!

Der Klassen­erhalt ist zwar schon so gut wie gesichert, aber einen guten Saison­ab­schluss möchte man schon noch hinlegen. In starker Besetzung treten daher die Schach­freunde in Hamburg zur letzten Doppel­runde der Saison an: am Samstag gegen Kiel, einen Aufsteiger, der sich vermutlich in der 1. Bundesliga – wenn auch knapp – behaupten wird, am Sonntag gegen Gastgeber HSK.

Gegen Kiel waren zwei Mannschafts­punkte angepeilt worden. Nach ELO-Zahlen leicht favori­siert gingen die Schach­freunde auch ins Rennen und im wesent­lichen sah es immer leicht besser aus, also nach einem knappen Sieg. Am Ende kamen mit Mühe 4 Brett­punkte zusammen.

Schachfreunde Berlin    4 : 4    SG Turm Kiel
Piorun, Kacper          ½ : ½    Salgado Lopez, Ivan
Moranda, Wojciech       ½ : ½    Dziuba, Marcin
Tomczak, Jacek          ½ : ½    Khenkin, Igor
Sprenger, Jan Michael   1 : 0    Jakubiec, Artur
Schreiner, Peter        ½ : ½    Hector, Jonny
Abel, Dennes            0 : 1    Pakleza, Zbigniew
Blohberger, Felix       1 : 0    Hoi, Carsten
Seyb, Alexander         0 : 1    Bromann, Thorbjorn

Hier können die Partien nachge­spielt werden.

An Brett 1 kam es schon nach 20 Zügen in einer spani­schen Partie zu einer Zugwie­der­holung. Kacper Piorun und sein nominell etwa gleich starker Gegner hatten wohl beide ihre Hausauf­gaben gemacht und vermutlich keine Lust auf Experi­mente.

Viel spannender verlief das Duell an Brett 2 zwischen Marcin Dziuba und Wojciech Moranda. Schwarz behauptete in einer katala­ni­schen Partie einen Mehrbauern am Damen­flügel um den Preis einer zurück­ge­blie­benen Entwicklung. Nach überstan­denem Mittel­spiel sollte dieser Mehrbauer eigentlich im Endspiel zum Trumpf werden. Doch sein Gegner wollte die Partie anders gestalten, goss mit 13. Sxf7 Öl ins Feuer und opferte einen Springer. Zwar konnte sich in der Folge der schwarze König auf f8 in Sicherheit bringen, doch es kam zu wildesten Verwick­lungen. Schwarz gab nach und nach das Material zurück, um Turm und Läufer zu befreien und um jeden Preis die Damen zu tauschen. Sein vorrü­ckender c-Bauer kostete wiederum den Gegner einen Läufer, und danach war die Punkte­teilung besiegelt.

Bei Tomczak - Khenkin war zu sehen, wie aggressiv Caro-Kann aus schwarzer Sicht gespielt werden kann. Mit dem Remis im 20. Zug wird Weiß nicht unzufrieden sein.

Jan Sprenger spielte eine Partie wie aus einem Guss. Vermutlich hat der Gegner ihn mit 1. f4 überrascht, doch das schwarze Konzept sah zu jedem Zeitpunkt überzeu­gender aus. Mit Klarheit und Konse­quenz dann die Gewinn­führung, nachdem der weiße Damen­flügel völlig zerlegt worden war. Da waren zwar noch einige taktische Klippen zu umschiffen, aber das ist Jan hervor­ragend gelungen, er ließ Weiß keine Chance.

An Brett 6 spielte sich hingegen ein Drama ab. Dennes Abel hatte vermutlich nur eine kleine Ungenau­igkeit begangen (Ld6 statt Le7), doch die Bestrafung war heftig. Weiß öffnete Linien, Schwarz musste sich weiter schwächen und kam nicht zur Rochade, war nur am Kämpfen, kein Material zu verlieren und brach schließlich zusammen.

Peter Schreiner spielte gegen Jonny Hektor geduldig eine unauf­ge­regte lange Remis-Partie, während es auch an den Brettern 7 und 8 zu langen Endspielen kam. Felix Blohberger verwan­delte seine aktivere Figuren­stellung und die vielen schwarzen Bauern­schwächen (beide Gegner haben um den 50. Zug noch Turm, Springer und zahlreiche Bauern) in einen sicheren Sieg.

Sehr schade die Niederlage von Alexander Seyb, der bei unüber­sicht­lichen Verwick­lungen lange klar besser, vielleicht sogar auf Gewinn stand. Nachdem auf der h-Linie nichts zu holen war und er eine Zugwie­der­holung ausge­schlagen hatte, übersah er vermutlich 52. Te3 und und wurde dann auch noch von 54. La5!! heimge­sucht. Da war sein Gegner ziemlich wach zu später Stunde, ein herber Moment für Alexander, der kurz darauf aufgeben musste.

Der Sonntag! Auch für den HSK geht es „nur noch“ um die Ehre. Die Aufstellung vom Vortag wird an den Brettern 4, 5 und 6 geändert (Jonas Lampert raus, Dorian Rogozenko rein), bei den Schach­freunden rückt Dennes Abel raus und Emil Schmidek setzt an Brett 8 ein. Nominell eine enge Kiste, an den hinteren Brettern scheinen die Hamburger etwas stärker zu sein.

Schachfreunde Berlin   4½ : 3½   HSK Hamburg
Piorun, Kacper          ½ : ½    Svane, Rasmus
Moranda, Wojciech       ½ : ½    Huschenbeth, Niclas
Tomczak, Jacek          1 : 0    Hansen, Sune Berg
Sprenger, Jan Michael   1 : 0    Ftacnik, Lubomir
Schreiner, Peter        ½ : ½    Heinemann, Thies
Blohberger, Felix       1 : 0    Rogozenco, Dorian
Seyb, Alexander         0 : 1    Engel, Luis
Schmidek, Emil          0 : 1    Sebastian, Dirk

Was soll man sagen? Es war wieder turbulent. An Brett 1 kam Kacper fast unter die Räder, er rettete sich in der Zeitnot­phase mit einem für ihn schon fast typischen „Zauberzug“: 28. Le2! Gegen­an­griff auf die Qualität und zugleich Sperrzug (droht Df2+). Dies und die Zeitnot­si­tuation, dazu der Respekt vor dem starken Gegner – es ist Rasmus Svane nicht zu verdenken, dass er sich in das Remis fügt, obwohl er immer noch einen Bauern mehr hat und besser steht.

Jacek Tomczak mit ungewöhn­licher Eröffnung und Jan Sprenger (sein Figuren­opfer Le6 hat besonders unter prakti­schen Gesichts­punkten einge­schlagen und ist ansonsten einfach schön) gewinnen beide, dagegen verlieren Alexander Seyb und Emil Schmidek. Mit dem Remis von Peter Schreiner steht es 3 : 3 und die Partien von Wojciech Moranda und Felix Blohberger laufen noch. Während Felix im Damen­end­spiel zwei Mehrbauern hat und gewinnen wird, steht es bei Wojciech schon seit längerem sehr ausge­glichen. Das wird ein 4,5 zu 3,5 für die Schach­freunde. Das ist Platz 9 der Liga und ein schöner Saison­ab­schluss!

Baden-Baden ist allei­niger Deutscher Meister, gefolgt von Hockenheim und Solingen. Hier der Tabel­len­stand. Ich danke allen Protago­nisten für die gute Unter­haltung und manche Lehrstunde. Danke auch an Lars für die Fotos. Allen eine schöne Bundes­li­ga­pause und erfolg­reiche Turniere im Sommer.

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