Spielspaß auf der Zielgeraden

von am 10. März 2019 in Nachrichten

Spielspaß auf der Zielgeraden
Noch ein gutes Wochenende für Marco Baldauf: Remisen gegen Ex-Weltmeister Anatoly Karpov und Sebastien Maze

Noch vier Runden bis zum Ende der Saison. Die Schach­freunde Berlin sind nach Viernheim gefahren. Am Samstag wird gegen Hockenheim gespielt, derzeit auf Tabel­len­platz 3, am Sonntag dann gegen den Gastgeber, Aufsteiger Viernheim. An der Aufstellung kann man schon erkennen, dass unsere Jungs sich entweder nicht viel ausrechnen an diesem Wochenende und/oder dass auch unsere hinteren Bretter mal gegen ehemalige Weltmeister und andere Weltklasse-Leute spielen wollen. Das ergibt auf jeden Fall Spielspaß - es kommen dabei oft schöne Partien und unver­hoffte Punkte heraus, zumindest aber die Erfahrung, es einem harten Gegner schwer­ge­macht zu haben (oder auch nicht).

Leider setzt die Übertragung zu spät ein und zeigt noch dazu öfter sinnlose Bewer­tungen der Stellungen sowie unglaub­liche Zeitan­gaben. Hier können die Partien nachge­spielt werden.

Fast 4 Stunden sind gespielt. Marcos Partie ist zweischneidig. Er greift am Königs­flügel, Ex-Weltmeister Karpov am Damen­flügel an. Wenn Marco nun 30. g5 spielt, setzt er den schwarzen König gehörig unter Druck. Die Partie ist schön anzusehen soweit. Karpov konnte noch nichts heraus­holen. Mein Eindruck ist, er muss um Ausgleich kämpfen, da Marcos Angriff am Königs­flügel aussichts­reicher scheint.

Die Partie zwischen Krzysztof Jakubowski und Jevgeny Tomas­hevsky ist ausge­glichen, auch die Bauern­struktur ist völlig symme­trisch. Wären da nicht fast 200 ELO-Punkte Differenz, man würde ein sicheres Remis einplanen.

Dennes ist leider schon fertig. Er stand nahezu ausge­glichen, als er sich im 17. Zug für die lange Rochade entschied. Es folgte – wenig überra­schend – 17. ... b5 und schon kurz darauf konnte Dennes Materi­al­nachteil nicht mehr vermeiden und gab auf. Die Partie hat quasi nicht statt­ge­funden. Sehr schade.

Auch bei Felix Blohberger ging etwas grob schief. Nach zunächst guter Vertei­digung beim Versuch, die gegne­rische Dame zu fangen, ging zuerst der g5-Bauer verloren (nachdem vorher schon ein Bauer auf der Strecke geblieben war, der aller­dings für Kompen­sation). Inzwi­schen hat sich sein Gegner Alexander Moiseenko den dritten Bauern gegönnt, und das wird zu viel sein, die Partie wird wohl für Felix verloren gehen.

Alexander Seyb spielt eine inter­es­sante Partie, auch wenn mir scheint, er hätte mehr aus seinem Angriff heraus­holen können. Das Endspiel kann noch lange gehen. Sein Gegner Arik Braun hat einen Turm für Läufer und h7-Bauern herge­geben, dafür verfügt er nun über weit vorge­rückte Bauern auf a3 und b4 und ein dominantes Sprin­gerpaar, während Alexanders Läufer auf a1 nicht mehr tut, als den vorrü­ckenden a-Bauern des Gegners zu stoppen. Hier wird auf drei Ergeb­nisse gespielt.

Mannschafts­leiter Lars Thiede an Brett 6 durfte auch mal wieder spielen, ist aller­dings von einer Erkältung geplagt und etwas angeschlagen (vermutlich steckt ihm noch das letzte Wochenende in den Knochen). Gegen David Baramidze hat er mit Schwarz eine gut spielbare Stellung aufs Brett gebracht, dann aber wohl etwas brachial gespielt (22. ... d4). Der Angriff verflachte, der Gegner erschloss sich Gegen­spiel und nach beider­sei­tigen Ungenau­ig­keiten bleibt nun für Lars ein schlech­teres Endspiel übrig.

Die Bretter 7 und 8 sind „einge­froren“, da bewegt sich schon lange nichts mehr. Während die angezeigte Stellung von Debütant Johannes Florstedt gegen seinen 220 ELO-Punkte schwe­reren Gegner Rainer Buhmann eine Zugwie­der­holung nahelegt, scheint Emil Schmidek verloren zu haben, auch wenn die Anzeige das noch nicht wahrhaben will.

Ich muss mal jammern: Die Übertragung bewegt sich nicht. So wird für Johannes Florstedt ein Sieg nach 20 Zügen angezeigt, bei erwart­barer Zugwie­der­holung... Wer weiß, wie die Bretter stehen, welche Resultate es zwischen­zeitlich gibt?

Bis Sonntag früh hält sich die falsche Darstellung, und nun kommen die Ergeb­nisse etwas unver­mittelt:

Schachfreunde Berlin    1 : 7    SV 1930 Hockenheim
Baldauf, Marco          ½ : ½    Karpov, Anatoly
Jakubowski, Krzysztof   0 : 1    Tomashevsky, Jevgeny
Abel, Dennes            0 : 1    Ponomarjov, Ruslan
Blohberger, Felix       0 : 1    Moiseenko, Alexander
Seyb, Alexander         ½ : ½    Braun, Arik
Thiede, Lars            0 : 1    Baramidze, David
Florstedt, Johannes     0 : 1    Buhmann, Rainer
Schmidek, Emil          0 : 1    Wagner, Dennis

Nur Marco und Alexander konnten schließlich Remisen erzielen, alle anderen wurden Opfer ihrer ELO-mäßig deutlich stärkeren Gegner.

Am Sonntag wurden mehr Punkte einge­fahren, wenn auch der Kampf insgesamt knapp verloren ging: 3,5 zu 4,5 gegen Viernheim.

Leider sind bis zum Sonntag Abend keine Partien und Einzel­er­geb­nisse auf schachbundesliga.de sichtbar. Immerhin stehen die Ergeb­nisse bei schachbund.de.

Schachfreunde Berlin   3½ : 4½   SC Viernheim
Krämer, Martin          0 : 1    Kryvoruchko, Yuriy
Baldauf, Marco          ½ : ½    Maze, Sebastien
Jakubowski, Krzysztof   0 : 1    Fedorchuk, Sergey A. 
Abel, Dennes            0 : 1    Kovalenko, Igor
Blohberger, Felix       1 : 0    Libiszewski, Fabien
Seyb, Alexander         ½ : ½    Abergel, Thal
Florstedt, Johannes     ½ : ½    Markert, Malte
Schmidek, Emil          1 : 0    Heinemann, Josefine

Am längsten spielte Dennes, er vertei­digte ein Doppel­tur­mend­spiel mit Minus­bauer. Leider am Ende nicht erfolg­reich, denn sein Gegner Igor Kovalenko zeigte überzeu­gende Technik und führte den entfernten Freibauern zum Sieg.
Mannschafts­leiter Lars hat wieder fleißig fotogra­fiert. Vielen Dank dafür!

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