Kampf gegen Windmühlen

von am 25. November 2018 in Berichte zur 1. Bundesliga, Blitzmannschaftsmeisterschaften, Schachbundesliga

Kampf gegen Windmühlen
Jan Sprenger (links) remisierte gegen Peter Leko and Radoslaw Wojtaszek (rechts)

Wer die Aufstellung der Schach­freunde gegen Deizisau und Baden-Baden an diesem Wochenende gesehen hat, konnte Schlimmes ahnen. Gegen Deizisau lagen im Schnitt 170 ELO-Punkte pro Brett zwischen den Berlinern und ihren Gegnern, mit Ausnahme von Brett 4 (Vincent Keymer ist jedoch in einem enormen Aufwa­erts­trend und spielte auch an diesem Wochenende sehr stark und erfolg­reich). Wie erwartet noch schlimmer klaffte die ELO-Luecke gegenueber Baden-Baden: Hier waren es pro Brett im Schnitt 250 ELO-Punkte. Da kann man sich schon etwas verheizt fuehlen, auch wenn man sicherlich mit der Hoffnung auf einen Achtungs­erfolg in den Kampf zieht.

Am Samstag gab es  dann auch eine deutliche Niederlage, am Sonntag gegen die Deutschen Meister gar eine fast volle Packung.

Hier koennen die Partien nachge­spielt werden.

(Ich schreibe diesen Beitrag unterweg mit einer kyril­li­schen Tastatur, weil ich mein Notebook nicht dabei habe. Daher Umlaute etc. nur verhi­kelig, sorry.)

Erstmals bei den Schach­freunden im Einsatz war Felix Blohberger, der gegen Deizisau gegen GM Andreas Heimann immerhin einen halben Punkt zum Gesamt­er­gebnis beitrug (vielleicht waere sogar noch mehr drin gewesen).

Ohne einen einzigen Sieg kehren die Schach­freunde heim, doch waren einige gute Stellungen unterwegs zu sehen. Einen schoenen Erfolg durch tapferes Durch­halten in einem Turmend­spiel mit Minus­bauern brachte Dennes Abel ein Remis gegen Michael Adams ein.

Kurz vor einer Sensation stand Arnd Lauber. Um ein Haar haette er seiner Gegnerin, Ex-Weltmeis­terin Hou Yifan, eine Niederlage verpasst. Nach einem mir gaenzlich unver­sta­end­lichen Vertei­di­gungszug in schwerer Stellung und Zeitnot (34. ... h6) blies Arnd ebenso ueber­ra­schend zum Rueckzug. In einer wilden Schluss­phase verlor er aus Fast-Gewinn­stellung heraus den Faden und kam selbst ganz ploetzlich unter die Raeder. Sehr schade!

Bemer­kenswert fand ich auch die franzoe­sische Partie von Emil Schmidek gegen einen meiner Helden, Alexei Shirov. Bis kurz vor der Zeitkon­trolle hielt er sehr gut mit, das Mittel­spiel hat mich beein­druckt! Doch dann verliessen ihn vermutlich seine Instinkte - jeden­falls zog er 36. Td6? in ausge­gli­chener Stellung, statt mit Sc2! seinen Springer wieder am Geschehen teilnehmen zu lassen und einen der schwachen Bauern auf d5 oder f5 spaeter abzuholen. Von der anschlies­senden Deplat­ziertheit sowohl des Turms als auch des Springers sollte er sich nicht wieder erholen.

Trotz des traurigen Mannschafts­er­geb­nisses gegen ueber­maechtige Gegner kann einer an diesem Wochenende sehr zufrieden sein: Jan Sprenger. Ihm gelangen zwei Remisen und damit ein Gewinn von 9 ELO-Punkten, und zwar gegen Peter Leko und den Weltrang­listen-16. Radoslaw Wojtaszek.

Hier die Ergeb­nisse:

Schachfreunde Berlin   5½ : 2½  Schachfreunde Deizisau
Sprenger, Jan           ½ : ½    Leko, Peter
Schreiner, Peter        ½ : ½    Bluebaum, Matthias
Baldauf, Marco          ½ : ½    Meier, Georg
Abel, Dennes            0 : 1    Keymer, Vincent
Blohberger, Felix       ½ : ½    Heimann, Andreas
Lauber, Arnd            0 : 1    Kozul, Zdenko
Seyb, Alexander         ½ : ½    Kollars, Dmitrij
Schmidek, Emil          0 : 1    Graf, Alexander
Schachfreunde Berlin    1 : 7    OSG Baden-Baden
Sprenger, Jan           ½ : ½    Wojtaszek, Radoslaw
Schreiner, Peter        0 : 1    Rapport, Richard
Baldauf, Marco          0 : 1    Naiditsch, Arkadij
Abel, Dennes            ½ : ½    Adams, Michael
Blohberger, Felix       0 : 1    Bacrot, Etienne
Lauber, Arnd            0 : 1    Hou, Yifan
Seyb, Alexander         0 : 1    Movsesian, Sergei
Schmidek, Emil          0 : 1    Shirov, Alexei

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