Krimi in Bremen

von am 11. April 2015 in Berichte zur 1. Bundesliga, Nachrichten, Schachbundesliga, SFB1-Saison 2014/15

Krimi in Bremen
Dennes Abel holte 2 aus 2 und spielte noch dazu für die Kiebitze (hier ein Bild von einem früheren Wettkampf)

Worum geht es eigentlich noch an diesem Wochenende? Seit wir wissen, dass sich Eppingen in der kommenden Saison in die 2. BL zurück­ziehen wird, hat sich die Lage formell entspannt. Die noch am nächsten dahin­ter­lie­genden Katern­berger müssten schon 2x hoch gewinnen, während die Schach­freunde zugleich kaum Brett­punkte und keinen Mannschafts­punkt einfahren. So wird es nicht kommen, dennoch wäre es toll, noch einen Achtungs­punkt für das Mannschafts­konto und starke Einzel­leis­tungen zu erzielen.

Es scheint, als ließe es Werder Bremen in der letzten Doppel­runde sparsam angehen. Schließlich sind die heutigen Gastgeber sicherer Zweiter in der Tabelle. Sie spielen mit Alexander Aresh­chenko an der Spitze, dann einem starken Mittelfeld und einem Nachwuchs­spieler, der zum Saisonende seinen ersten Einsatz hat. Die Schach­freunde spielen mit ihrem „großen Mittelfeld“ und haben nominell bis auf Brett 8 einen Rückstand von 50 bis 100 ELO-Punkten aufzu­weisen.

Schachfreunde Berlin       4  :  4    Werder Bremen

Krämer, Martin             ½  :  ½    Areshchenko, Alexander
Piorun, Kacper             ½  :  ½    Hracek, Zbynek 
Michalik, Peter            1  :  0    Nyback, Tomi 
Schneider, Ilja            0  :  1    Babula, Vlastimil  
Dann, Matthias             ½  :  ½    Bluebaum, Matthias
Berndt, Stephan            0  :  1    Smerdon, David  
Abel, Dennes               1  :  0    Markgraf, Alexander 
Thiede, Lars               ½  :  ½    Brinkmann, Fabian

Guckt man auf die Bretter, hebt sich die Stimmung. Martin mit Weiß stellt seinen promi­nenten Gegner vor komplexe Aufgaben. Nach beidsei­tiger kurzer Rochade hat er nun mit 18. ... f5 das Zentrum abgeriegelt und seinen Raumvorteil gesichert. Der Preis ist die Schwä­chung des Feldes d3, wo sich ein schwarzer Springer einzu­nisten droht. Schwarz hat jedoch auf e4 einen anfäl­ligen Bauern, der ihm auf Dauer Schwie­rig­keiten bereiten könnte. Die Struktur am Damen­flügel dürfte nach dem Vorstoß b4 unangenehm für Schwarz werden, zumal er am Königs­flügel nichts Gefähr­liches entge­gen­zu­setzen hat. Die Stellung scheint ein Zeitfresser für beide Seiten zu sein.

Bei Kacper ist nach dem Damen­tausch nicht mehr viel los, das sieht nach Remis aus. Ilja erlebt vermutlich nachteilige Verwick­lungen und steht defensiv, aber noch nicht akut gefährdet, denn das geschlossene Zentrum lässt keine kurzfris­tigen Aktionen auf beiden Seiten zu. Matthias steht klar besser, sein König ist sicher und das Läuferpaar dürfte in der erreichten Stellung auch von Vorteil sein, vom Eröff­nungs­vor­sprung und dem Turm auf der 7. Reihe gar nicht zu reden. Die Stellung lädt aber auch zum Überziehen ein. Man wird gern Bauern opfern (a2 hängt, auch e5 ist zumindest wackelig), und wenn sich kein durch­schla­gender Erfolg einstellt, sieht das Endspiel trübe aus. Doch dazu wird es nicht kommen ;-) Die übrigen Bretter sind momentan mehr oder weniger ausge­glichen.

Die ersten Entschei­dungen: Ilja verlor seine Partie doch recht klar, die Bretter 1, 2 und 5 remisierten. In Zeitnot fand Matthias den Gewinnweg nicht und wieder­holte die Züge. Das ist wirklich schade, denn die Überle­genheit der Stellung war groß, erfor­derte aller­dings präzises Vorgehen. Werder ist damit immer noch in Führung. Es spielen noch die Bretter 3 und 6 bis 8, alle Partien haben nun die Zeitkon­trolle hinter sich. Wie sieht’s aus?

Peter hat seine Stellung vor allem während der akuten Zeitnot seines Gegners erheblich verbessern können. Nun steht er klar besser und hat einen Bauern mehr, aber reicht das zum Sieg? Stephans Partie war lange ausge­glichen, doch nun muss er mit einem Minus­bauern nach überstan­dener Zeitnot ums Remis kämpfen. Dennes steht dafür prächtig und wird gewinnen. Lars hat wieder gegen einen schwä­cheren Spieler mit Schwarz zunächst Eröffnung und Mittel­spiel überstanden. Dann jedoch mehrfach besser als der Gegner gespielt und nun sollte er das Springer-Endspiel mit Mehrbauer für sich entscheiden. Gibt es heute einen oder zwei Mannschafts­punkte?

Der Ausgleich für die Schach­freunde: Peter gewinnt aus dominanter Stellung heraus. Ein vom Partie­verlauf her eher unver­hoffter voller Punkt. Klasse! Stephan kämpft soweit erfolg­reich weiter, der Gegner kommt nicht recht voran. Lars aber leider auch nicht. Der Computer zeigt 0,00 und es ist für Schwarz trotz Mehrbauer kein Gewinn in Sicht.

Dabei blieb es: Remis an Brett 8. Lars’ Gegner gab sich keine Blöße - ein schöner Erfolg für den Junior. Zwischen­zeitlich steht Stephan leider auf Verlust und Dennes recht­fertigt ganz allein die Überschrift des Artikels, aber guckt selbst... Zwischen­durch gibt sein gepei­nigter Gegner (nach dem Verbrauch von fast 20 Minuten Bendenkzeit!) das falsche Schach und verpasst somit Mattdrohung und Dennes’ erzwungene Rückgabe eines Turms, wonach die Partie wieder völlig offen gewesen wäre. Also, es war zum Irrewerden beim Kiebitzen!

Das Finale wurde dann aber doch überzeugend vorge­tragen von Dennes, er machte damit das Unent­schieden gegen Werder Bremen perfekt. Herzlichen Glück­wunsch! Turm Emsdetten war heute knapp TU Dresden unter­legen. Vielleicht geht ja morgen noch was. Bei einem Sieg können die Schach­freunde theore­tisch noch auf Platz 11 vordringen. Der eine oder andere hat bestimmt Wut im Bauch ;-)

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... Wut alleine genügt nicht, und offenbar hatten die Gegner am Sonntag wohl auch welche. Denn gegen Emsdetten kam nur ein mageres 2½ : 5½ heraus. Dennes brachte die Schach­freunde früh in Führung. Sein Gegner sah sich nach ein paar schwachen Eröff­nungs­zügen und Dennes’ brutaler Entgegnung (Df5) zur Hergabe von 2 Figuren gegen Turm und Bauer gezwungen. Die Stellung war dann auch ruiniert, der Rest saubere Routine.

Lars hatte ein Endspiel­wo­chenende. Er hielt 75 Züge lang ein schwie­riges Endspiel durch und spielte zeitweilig mit zwei Minus­bauern – und hielt Remis! Auch Ilja (nach selten gesehener Eröffnung) und Stephan trugen halbe Punkte bei. Doch ansonsten lief leider nicht mehr allzu viel zusammen bei den Schach­freunden in dieser letzten Runde der Saison 201415.

Schachfreunde Berlin       2½ : 5½    Werder Bremen

Krämer, Martin             0  :  1    Swiercz, Dariusz 
Piorun, Kacper             0  :  1    Pruijssers, Roeland 
Michalik, Peter            0  :  1    Burg, Twan  
Schneider, Ilja            ½  :  ½    Van Foreest, Jorden   
Dann, Matthias             0  :  1    Hector, Jonny 
Berndt, Stephan            ½  :  ½    Janssen, Ruud  
Abel, Dennes               1  :  0    Fiebig, Thomas  
Thiede, Lars               ½  :  ½    Richter, Christian

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