Europapokal: Auftakt an Tisch 2

von am 06.11.2016 in ECC 2016, Europapokal, Nachrichten

Europapokal: Auftakt an Tisch 2
Novi Sad (1)

Heute startet in Novi Sad der Europäische Vereins­pokal. Zum neunten Mal mit dabei: Die Schach­freunde Berlin. Der Star des Teams ist: Felix Nötzel! Am Freitag  im Lauf des Abends wurde er nach einer Absage gefragt, ob er Samstag früh morgens im Flieger nach Serbien sitzen möchte. Und er sagte ja. So haben Arnd Lauber, Marco Baldauf, Rainer Polzin, Jan Wendt und Jan Lundin auch ein Brett 6.

Heute geht es gegen Alkaloid aus Mazedonien. Es sind gewisse ELO-Nachteile zu verzeichnen. Ziel dürfte es sein, ein 6-0 zu vermeiden.

  Alkaloid   Schach­freunde Berlin 5 : 1
2.1 GM
Ding, Liren
2764 - IM
Lauber, Arnd
2434  1:0
2.2 GM
Andreikin, Dmitry
2736 - IM
Baldauf, Marco
2431  1:0
2.3 GM
Jakovenko, Dmitry
2709 - GM
Polzin, Rainer
2413  0,5
2.4 GM
Yu, Yangyi
2721 - FM
Wendt, Jan-Dietrich
2332  1:0
2.5 GM
Kryvo­ruchko, Yuriy
2702 - FM
Lundin, Jan
2264  0,5
2.6 IM
Pancevski, Filip
2503 -
Noetzel, Felix
2209

 

Live sind die Partien hier zu sehen: https://chess24.com/en/watch/live-tournaments

Beim letzten Aufein­an­der­treffen mit Alkaloid war der heutige zweite Ersatzmann noch an Brett 1 gemeldet und wurde Sparrings­partner von Stephan Berndt bei der „Perle von Panormo“:

Zwischen­stand nach 90 min Spielzeit: Alle haben sich ordentlich, mehr als ordentlich aufge­stellt. Die erfreu­liche Spiel­stands­an­zeige wollen wir hier mal festhalten:

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Kaum zu glauben, dass auf Seiten der Schach­freunde pro Brett (!) 300 bis 440 ELO-Punkte weniger dasitzen. Von Felix hat man offenbar nur ein Uralt-Foto gefunden, von Jan und Jan-Dietrich gar keins.

Arnd spielt nach damen­in­di­schem Beginn mit hängendem Zentrum. Lehrbuch­mäßig greift sein Gegner Liren Ding das Zentrum mit Figuren, inzwi­schen auch Schwer­fi­guren, an. Wenn der Springer, der derzeit noch auf e1 steht, auf ein gutes Feld gelangt (z. B. nach f4), dann könnte es für für den Bauern d5 eng werden. Marco spielt mit Weiß gegen Dmitri Andreikin eine spannende Königs­in­disch-Partie. Schwarz greift am Königs­flügel, Weiß am Damen­flügel an. Rainer steht richtig gut, man darf gespannt sein, ob der Gegner bald Remis anbietet und wie Rainer darauf reagieren wird.

Jan-Dietrich versucht, in einer unklaren offenen Stellung die Bauern­struktur seines Gegners Yu Yangyi am Damen­flügel zu schwächen. Jan spielt Caro-Kann und hätte mit 16. ...e5 gegen Juri Kryvo­ruchko sein Bauern­zentrum in Bewegung setzen können. Er verfolgt nun einen anderen Plan und steht trotzdem völlig ok. Geht da was? Auch Felix steht unklar-ausge­glichen gegen Flip Pancevski. Einzig sein Zeitver­brauch kann einem Sorgen machen. Die großen Kompli­ka­tionen kommen erst noch...

Wären da nicht die gewal­tigen ELO-Diffe­renzen, man würde sagen: Da ist alles drin.

2,5 Stunden sind gespielt. Arnd spielt furchtlos gut weiter, steht aber mögli­cher­weise langfristig mit der Bauern­schwäche auf d5 etwas schlechter. Bei Marco sah es schon fast so aus, als würde er langsam am Königs­flügel breit­ge­spielt werden. Doch das Blatt wendet sich! Nach dem Figuren­opfer 25. Sxf4! rückt Weiß dem unrochiert herum­ste­henden König auf die Pelle. Die Partie hat Marco aller­dings auch schon viel Zeit gekostet. Rainer steht dauerhaft gut, besser, sehr schön. Jan-Dietrich hat einen Bauern ins Geschäft gesteckt, dafür aber das aktivere Figuren­spiel und Angriffs­po­tenzial am Königs­flügel. Jan hat eine Leicht­figur mehr, dafür aber vier Bauern weniger. Wenn das mal nicht einer zu viel war. Felix steht immer noch gut und am Königs­flügel aussichts­reich, hat aber nur noch 10 Minuten (plus Inkrement) für die letzten 17 Züge.

Nach 3,5 Stunden sind drei Partien entschieden. Marco fand den aussichts­reichen Zug 28. g4! nicht und kam danach unter die Räder. Rainer nahm das Remis mit – gegen einen Weltklas­se­spieler wie Jakovenko ein schöner Erfolg! Jan-Dietrich konnte die Partie leider ebenfalls nicht halten. Es fighten noch Arnd (hier gibt es unklare Materi­al­ver­hält­nisse), Jan (zwar mit Mehrfigur, dafür immer noch 4 Bauern weniger und leider auch einem verga­lop­pierten Springer auf a2) und Felix, der in der extrem knapp gewor­denen Zeit einen Bauern und seine gute Stellung eingebüßt hat.

Überra­schend hat Jan ein Remis erkämpft! Im Endspiel war für seinen Gegner nichts mehr zu holen. Die schwarzen Figuren spielten zum Schluss gut zusammen, es drohte ein weißer Bauer zu fallen und dann ist es für Schwarz nicht mehr schwer, die drei zusam­men­hän­genden Bauern am Königs­flügel mit der Mehrfigur aufzu­halten. Vermutlich auch angesichts des Gesamt­re­sultats wieder­holte Kryvo­ruchko die Züge. Ein toller Start in das Turnier für Jan, herzlichen Glück­wunsch!

Arnd und Felix haben beide nach großem Kampf ihre Partien verloren.

Das war ein guter Auftakt! Ihr habt die Zuschauer in der Heimat gut unter­halten. Danke dafür und weiterhin viel Erfolg und als nächstes einen leich­teren Gegner.

 

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