Starker Andrang im Willy-Brandt-Haus

von am 21. Februar 2015 in Berichte zur 1. Bundesliga, Nachrichten, Schachbundesliga, SFB1-Saison 2014/15

Starker Andrang im Willy-Brandt-Haus
Mit Zuschauern macht Schach noch mal so viel Spaß.

Selten gibt es in der Schach­bun­desliga so viele Zuschauer. Das liegt zum einen an der fantas­ti­schen Location, dem Willy-Brandt-Haus, in dem die 1. Mannschaft der Schach­freunde zum zweiten Mal als Gastgeber auftritt. Zum anderen wurde hier vor wenigen Tagen die Ausstellung „Vivian Maier – Street Photo­grapher“ eröffnet, die viele Berliner und Besucher anzieht. Auf allen Etagen und direkt neben den Brettern stehen die Schau­lus­tigen, darunter viele stadt­be­kannte Vereins­mit­glieder, Schach­spieler und ihre Angehö­rigen.

Doch die erste halbe Stunde dieses Wettkampf­tages ist für die Spieler vor allem eins: anstrengend. Es ist ein Kommen und Gehen im Atrium, Gemurmel ist in einem fort zu hören. Unkundige Besucher telefo­nieren gar laut und müssen darauf hinge­wiesen werden, „dass hier zum Teil Weltklasse-Großmeister am Start sind, die Ruhe brauchen.“ (Schieds­richter Martin Sebastian).

Theo Heinze macht unermüdlich Fotos. Souverän dirigiert er störrische durch­geis­tigte Individuen, die sich eigentlich auf ihre Partien konzen­trieren wollen. Die Schrei­berin kämpft mit der Inter­net­ver­bindung, gibt nach 2 Stunden auf und setzt Beobachtung und Bericht­erstattung zu Hause fort. Zur Bilder­ga­lerie geht’s hier.

Heute spielen die Schach­freunde gegen die nominell stärkeren Hocken­heimer sowie der Reise­partner Dresden gegen die Abordnung aus Trier.

Für die Schach­freunde ist es in dieser Saison noch enger als in früheren Jahren. Ein Mannschafts­punkt wäre klasse gegen die starke Gegner­schaft, zumal der HSK, auch immer mal wieder vom Abstieg bedroht, heute nicht mit stärkster Aufstellung antritt.

Die Partien können wie immer live verfolgt werden.

Schachfreunde Berlin     3½  :  4½    SV Hockenheim

Mista, Aleksander         0  :  1     Rapport, Richard
Krämer, Martin            ½  :  ½     Saric, Ivan
Piorun, Kacper            ½  :  ½     Baramidze, David
Schneider, Ilja           ½  :  ½     Buhmann, Rainer
Maksimenko, Andrei        ½  :  ½     Wagner, Dennis
Lauber, Arnd              0  :  1     Brunello, Sabino
Moreno Tejera, Emilio     1  :  0     Pähtz, Elisabeth
Thiede, Lars              ½  :  ½     Boguslavskyy, Oleg

Eine Kurzpartie spielt mal wieder Ilja. Mit Weiß remisiert er gegen Rainer Buhmann nach 21 Zügen und ist um 15.20 Uhr schon fertig für heute. Man könnte denken, Schach ist ganz einfach.

An den anderen Brettern wird gekämpft. Arnds Partie hatte überra­schend schnell Schlag­seite nach dem zu optimis­ti­schen Vorstoß 19. a5. Sein Gegner konterte stark mit 19. ... Txc1! gefolgt von 20. Dxc1 Sd3! - und nach der Abwicklung verbleibt Weiß mit zu wenig Material. Arnd muss aufgeben, schade. Kacper und Andrei remisieren und Hockenheim geht mit 1½ : 2½ in Führung.

Im Analy­seraum ist viel Betrieb! GM Robert Rabiega und zahlreiche Berliner Schlach­ten­bummler analy­sieren hier die laufenden Partien, die zeitver­zögert auf schachbundesliga.de übertragen werden.

In weiser Voraus­sicht - die Unruhe im Saal nimmt nicht ab - hat sich Martin Krämer die Ohren zugestopft, er macht auch einen weitgehend unbehel­ligten Eindruck vom allge­gen­wär­tigen Gewusel. Gegen Carlsen-Bezwinger Ivan Saric zieht er seine Kreise und hat seit vielen Stunden eine gute, zeitweilig bessere Stellung. 19 Uhr, 5 Stunden gespielt: Emilio schafft die Zeitkon­trolle, hat aber einen Bauern weniger. Auch Aleksander muss vertei­digen. Sein Gegner Richard Rapport hat ein Läuferpaar, das zusammen mit der Dame den schwachen h-Bauern attackiert. Lars hat vermutlich zu viel abgetauscht. Schade, dass sein Angriff kurz vor der Zeitkon­trolle nicht durch­schlägt, das Remis im verblie­benen Endspiel Läufer und 2 Bauern gegen Springer und Bauer ist absehbar.

19.30 Uhr: Remis an Brett 2. Aleksander und Emilio werden ihre Partien kaum halten können und damit ist eine deutliche Niederlage schon fast besiegelt. Der HSK hingegen erzielt einen sensa­tio­nellen 5:3 Sieg gegen Mülheim.

20.25 Uhr: Emilios Gegnerin Elisabeth Pähtz macht schon seit längerem keine Fortschritte mehr im Leicht­fi­guren-Endspiel. Mit 52. e5 hat sie gerade ihren Ld6 zum Großbauern degra­diert, wie GM Dr. Karsten Müller sagen würde (der heute eine tolle Partie spielte und einen wichtigen Punkt für den HSK einfuhr). Es ist jetzt alles wieder offen, denn Emilio wird den weißen Bauern auf b4 gewinnen. Die verbliebene Bedenkzeit: 2 gegen 9 Minuten - das sieht gut aus für Emilio, denn die Probleme liegen nun eher auf Seiten von Weiß.

Nach sieben Stunden gewinnt Emilio sogar noch! Er hatte schließlich 2 Mehrbauern, davon gibt er seinen („falschen“) Randbauern auf und drängt den gegne­ri­schen Läufer von der Vertei­digung ab. Kurz vor der unver­meid­lichen Bauernum­wandlung gibt sich seine Gegnerin geschlagen. Herzlichen Glück­wunsch zu dieser tollen Endspiel- und Sitzfleisch­leistung! Ein kleiner Trost, auch wenn dieser Kampf trotzdem knapp verloren geht.

Am Sonntag kam es dann zur Begegnung mit der SG Trier mit folgenden Ergeb­nissen:

Schachfreunde Berlin      3  :  5     SG Trier

Mista, Aleksander         1  :  0     Erdos, Viktor
Krämer, Martin            0  :  1     Howell, David
Piorun, Kacper            1  :  0     Borbas, Pjotr
Schneider, Ilja           0  :  1     Cyborowski, Lukacz
Maksimenko, Andrei        ½  :  ½     Parligras, Mircea-Emilian
Lauber, Arnd              0  :  1     Gonda, Laszlo
Moreno Tejera, Emilio     0  :  1     Jaracz, Pawel
Abel, Dennes              ½  :  ½     Galyas, Miklos

Vielen Dank für die tollen Bilder von Theo Heinze und Fernando Offermann. Wann kann man schon mal so aus dem Vollen schöpfen?!

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