Start in die neue Bundesliga-Saison

von am 18. Oktober 2014 in Berichte zur 1. Bundesliga, Nachrichten, SFB1-Saison 2014/15

Start in die neue Bundesliga-Saison
Durchwachsener Auftakt in Eppingen für die Schachfreunde

Eine weite Anreise führte die 1. Mannschaft nach Eppin­gen/Baden-Württemberg. Hier und in Bremen, Solingen und Dortmund wurden an diesem Wochenende die ersten beiden Runden der neuen Bundesliga-Saison ausge­tragen. Für die Schach­freunde hieß das in Runde 1 Eppingen, in Runde 2 Baden-Baden. Während man am Sonntag gegen Baden-Baden Haue erwarten konnte, gab es am Samstag nicht nur Gelegenheit, sich warmzu­spielen, sondern vielleicht auch schon den ersten Mannschafts­punkt einzu­fahren.

Zu verfolgen war der erste Wettkampf der neuen Saison wie gewohnt live auf einem neuen Portal, jedoch mit gewissen Schwie­rig­keiten bei der Übertragung. Verwirrung stiftete nämlich die nicht nur bei den Berlinern völlig falsch angegebene Aufstellung.

Zunächst konnte man sich nur auf die vorlie­genden Insider-Infos stützen. Ob auch die angezeigten Gegner spielen? Ein Blick in den mitlau­fenden Chat der Zuschauer brachte Ironie und Ärger ‘rüber: Die Namens­nen­nungen waren bei mehreren Wettkämpfen nicht korrekt. Auch stimmten mal die Farben nicht, dann die Zwischen­er­gegb­nisse nicht, die Angaben zu den Spielern sowieso nicht. Man konnte nur annehmen, dass die Partien so ablaufen wie zu sehen. Die live ausge­führten Korrek­turen verschlimm­bes­serten in der ersten Stunde nur, verläss­liche Aussagen konnte man auf dieser Basis leider nicht treffen.

Deshalb springen wir nahtlos zum - enttäu­schenden - Endstand.

Sfr Berlin               3   :  5    Eppingen

Krämer, Martin           ½   :  ½    Harikrishna, Pentala
Schneider,Ilja           0   :  1    Bogner, Sebastian
Dann, Matthias           0   :  1    Postny, Evgenij
Lauber, Arnd             0   :  1    Medvegy, Zoltan
Berndt, Stephan          1   :  0    Gulyjev, Namig
Moreno Tejera, Emilio    ½   :  ½    Dr. Mann, Christian
Abel, Dennes             0   :  1    Noe, Christopher
Thiede, Lars             1   :  0    Reimold, Jonas

Ein Rundgang nach 90 Minuten hatte noch folgendes Bild ergeben:

An Brett 1 denkt Harikrishna eine Ewigkeit lang über seinen nächsten Zug nach (kaum zu glauben, wahrscheinlich hängt der Server), er spielt auf dem Großbrett übrigens gegen Peter Michalik, der aber gar nicht anwesend ist. Oder spielen Krämer und Michalik eine Beratungs­partie? Einmal „F5“ gedrückt und Martin spielt jetzt wieder allein, aber mit einer Qualität mehr! Kann Schwarz das Läuferpaar und seine bessere Entwicklung gegenüber der Qualität zur Geltung bringen? Wenn nicht, dann könnte am Brett 1 mehr drin sein als ein halber Punkt.

Brett 2 sieht dafür nicht besonders gut aus. Der schwarze Läufer steht schon länger ohne Rückzugs­mög­lichkeit auf h2. Noch kann man keine konkrete weiße Möglichkeit sehen, wie diese Konstel­lation ausge­nutzt werden kann. Immerhin sind die schwarzen Springer aktiv postiert.

Die übrigen Bretter stehen mehr oder weniger z. T. wackelig ausge­glichen. Überra­schen­der­weise hat Lars am Brett 8 (mit einem ELO-Plus von 400 Punkten) ganz schön zu tun, das Gleich­ge­wicht zu halten.

Und so kam es zum Endstand: Martin konnte nirgendwo öffnen und Platz für seine Mehrqua­lität schaffen - nach 80 Zügen dann das Remis. Ein schöner Erfolg gegen einen sehr starken Gegner.

Ilja, nun ja. Im 17. Zug war Gelegenheit, den auf Abwege geratenen Läufer nach c7 zurück­zu­holen, eine letzte Chance zum Ausgleich bot sich nach einer Ungenau­igkeit des Gegners (21. dxe5) - aber nach 21. ... Sxe5 und 22. Sb2! hatte die Partie dann endgültig Schlag­seite.

Matthias kam ab dem 20. Zug nach und nach unter die Räder, während Arnd und Stephan mutige Angriffs­partien spielten. Arnd sah man schon auf dem Weg zu einem Schön­heits­preis. Er hatte eine Figur geopfert und konnte das Zentrum öffnen und alles Material nach vorn werfen. Aller­dings war sein Gegner auch ab und zu mal dran und spielte stark und umsichtig. Schließlich Verfla­chung, Abtausch und die Luft war raus. Sehr schade.

Stephan erging es besser, sein Angriff schlug durch und bescherte ihm einen schönen Sieg - herzlichen Glück­wunsch!

Oh Emilio! Eine klare Gewinn­stellung hatte er sich heraus­ge­ar­beitet (die Rechen­ma­schine zeigt -5! an) und mit 48. ... Dxd1 konnte er auf einfache Weise den Sack zumachen. Statt dessen ging er Verwick­lungen zu seinen Ungunsten ein (48. ... Tb2+? mit Schwä­chung der Grund­reihe) und die Partie endetet schließlich in einem glück­lichen Dauer­schach für seinen Gegner.

Dennes hatte über weite Strecken eine fast ausge­gli­chene Stellung mit Minus­bauer. Er scheute mögli­cher­weise den Schwer­fi­gu­ren­ab­tausch als er sich entschied, im 30. Zug nicht auf d6 sondern auf a5 zu schlagen. Sein Gegner mobili­sierte aller­dings in der Folge erst einen Freibauern, dann zwei verbundene, die er souverän durch­brachte.

Lars brauchte heute viel Geduld und Vertrauen, dass sich irgendwann der gewaltige Spiel­stär­ke­un­ter­schied zu seinem Gegner bemerkbar machen würde. Lange Zeit stand er defensiv, jedoch wirkte das Spiel seines Gegners etwas planlos. Als es Lars gelang, den schwarz­feld­rigen Läufer abzutau­schen, konnte er mit seiner Dame in das weiße Lager eindringen. Große freie Räume taten sich am Damen­flügel auf. Und dann kamen sie, die unerbitt­lichen wenigen Züge - Weiß war chancenlos.

Ende gut - aber nicht alles gut. Denn das Mannschafts­er­gebnis weist schließlich eine knappe und unnötige Niederlage für die Schach­freunde aus.

Am Sonntag gegen Baden-Baden kamen die Schach­freunde mit einer moderaten Niederlage davon. Wenn man bedenkt, dass die Vollprofis mit einer ELO-Übermacht von > 1500 (also im Schnitt mit +200 an jedem Brett!) antraten, kann man mit dem Ergebnis recht zufrieden sein.

Vielen Dank an Lucas Förschner für die vielen Bilder (hier eine Auswahl).

Sfr Berlin               3   :  5    Baden-Baden

Krämer, Martin           0   :  1    Svidler, Peter
Schneider,Ilja           ½   :  ½    Bacrot, Etienne
Dann, Matthias           0   :  1    Naiditsch, Arkadij
Lauber, Arnd             1   :  0    Nisipeanu, Liviu-Dieter
Berndt, Stephan          0   :  1    Movsesian, Sergej
Moreno Tejera, Emilio    ½   :  ½    Meier, Georg
Abel, Dennes             ½   :  ½    Dautov, Rustem
Thiede, Lars             ½   :  ½    Schlosser, Philipp

Die heraus­ra­gende Partie gelang Arnd mit seinem schönen Angriffssieg gegen Liviu-Dieter Nisipeanu.

Und hier die Partien des Wochen­endes:

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