Mittelfeld für die 4.
Zum Ende der Saison gab es ein 2:6 gegen Tabellenführer Lichtenberg, die damit aufgestiegen sind – herzlichen Glückwunsch dazu von dieser Seite!
So eindeutig war es aber überhaupt nicht. Wie auch schon in der letzten Saison gegen die stärkste Mannschaft der Liga, Schachfreunde Nord-Ost (SF Nord-Ost - SF Berlin 2011⁄12 Runde 3), hatten wir trotz Antritt in Nicht-Bestbesetzung durchaus Chancen. Als ich, zum ersten Mal in der Geschichte des Universums, als non-playing-captain gegen 11:15 Uhr in den Spielsaal eintrudelte, hatten bereits Fritjof Wolf in ausgeglichener und Udo Lechtermann in leicht besserer Stellung gegen jeweils 200 DWZ-Punkte stärkere Gegner Remis gemacht. Dann ging es aber recht streng bergab. Peter Baranowsky und Rainer Dambach hatten bereits in bzw. ausgangs der Eröffnung Fehler begangen und kamen nie richtig ins Spiel. Dafür aber stand Michael Stieber zunächst recht ordentlich. Im Spanier hatte er den üblichen Druck am Köngisflügel, allerdings einen wichtigen Angriffsspringer bereits abgetauscht. Er spielte in der Folge allerdings Schwarz etwas in die Hände, der die Kontrolle über die schwarzen Felder erlangte und Weiß dann ausknockte.
Kai Stephan Kussatz hingegen hatte sich eine bessere Stellung mit glattem Mehrbauern erspielt, meiner flüchtigen Betrachtung zufolge zumindest. Ich hatte die Partie bereits als Sieg verbucht, als er Gegenchancen zuließ und verlor. Theo Heinze hingegen stand richtig fett auf Gewinn: 2 Bauern mehr, nix los. In dieser Stellung kam ich in den Spielsaal.
Weiß schaffte es, nicht nur den Bauern d7 zu verlieren, sondern auch noch den e4, der zwischenzeitlich zur Deckung nach e6 vorpreschte. Dann wurden auch noch die Damen getauscht und es kam zum Endspiel Turm+Läufer gegen Turm+Läufer. Dummerweise stellte Theo in Zeitnot seinen Läufer ein, wonach sich folgendes Bild ergab:
Man einigte sich auf Remis. Das scheint nach erster flüchtiger Betrachtung korrekt zu sein. Weiß spielt z.B. Lg8 nebst Lf7 und Le8, wonach er den Bauern b5 gewinnt und König und Läufer die nunmehr noch 2 verbundenen Freibauern in Schach halten.
Marcus Delacor stand bedenklich, lieferte seinen Gegner aber einen harten Kampf und wurde dafür am Ende mit einem Remis belohnt.
Zur Saisonleistung:
Die Mannschaft agierte wie immer im Mittelfeld, ohne spektakuläre Ausreißer nach oben oder unten, sieht man einmal von der Niederlage gegen den Tabellenletzten Spandau ab (die übrigens in der letzten Runde nicht mehr antraten. Fredersdorf war darüber offenbar nicht informiert (siehe dazu auch die Stellungnahme der Fredersdorfer auf ihrer Homepage), hatten dafür den ganzen Organisationsstress inkl. Umzug in ein anderes Spiellokal etc. an der Backe, ganz abgesehen davon, dass vielleicht einige Leute gerne hätten Schach spielen wollen. Oder ausgeschlafen hätten. Oder was auch immer. Schön wäre es, wenn es dazu eine Stellungnahme von Spandau geben würde (oder finde ich sie nur nicht? Hinweise erbeten), damit der schale Beigeschmack gegebenenfalls korrigiert werden könnte. – Noch ein Wort zum Sportsgeist: ich habe jedes Verständnis für das Freilassen eines Brettes, wenn man die Mannschaft nicht voll bekommt. Schließlich passiert das ja bedauerlicherweise auch uns, und zwar zu häufig. In der letzten Runde der BMM in der Stadtliga A allerdings war unsere Begegnung der einzige ohne kampflose Partien. Insgesamt 13 von 40 Partien, also jede dritte, endete kampflos. So macht Schach keinen Spaß.
Kai Stephan Kussatz hatte die schlechteste Saison, seitdem diese Mannschaft in der Stadtliga spielt. 2,5/8 bedeuten eine Performance von 1877 und einen satten DWZ-Verlust von 27 Punkten. Andererseits: hätte er in der letzten Runde gewonnen, sähe die ganze Sache schon ganz anders aus und sein Ergebnis wäre einigermaßen ausgeglichen gewesen. Nächste Saison wird er wieder bessere Partien liefern und DWZ-Punkte gewinnen. Schließlich ist er ein Fels in der Mannschaft und nimmt ohne zu murren sonntag-morgendliche Fernreisen von Spandau nach Oberschöneweide in Kauf. Auch dafür vielen Dank vom Mannschaftsführer.
Abdelkerim Krichi verlor mit 1⁄3 und einer Performance von 1845 ebenfalls 19 DWZ-Punkte. Mit seinem betont taktischen Spielstil, bei dem die meisten 2000er nicht mithalten können, der positionell allerdings nicht immer ganz astrein ist, wandelt er beständig auf schmalen Grat und manchmal geht das eben schief, bei so wenigen Partien zumal. Ungewöhnlich ist es trotzdem, und auch hier bestehen wenig Zweifel, dass es in der kommenden Spielzeit besser wird.
Bei Wolfram Burckhardt ist das ganz anders. Letzte Saison schrieb ich: „Er liebt positionelles Schach mit einer deutlichen aktiven Komponente und ist darin auch starken Gegnern meist überlegen. Er ist […] meiner Meinung nach der Spieler mit dem vielleicht größten Spielverständnis der Mannschaft.” (Bericht Saisonabschluss 2010⁄11) Das gilt auch diese Saison, was er eindrucksvoll bewies. An seinen beiden Niederlagen (eine davon gegen den Spieler der Stadtliga A dieser Saison: Tino Dzubasz von Oberschöneweide mit 7/7 und einem satten Plus von 70 DWZ-Punkten – herzlichen Glückwunsch an dieser Stelle!) bin ich aus verschiedenen Gründen nicht unschuldig. Dafür darf er sich freuen, der Spieler mit dem höchsten DWZ-Zugewinn zu sein: 5⁄7 bedeuten bei einer Performance von 2103 22 Punkte plus.
Auch ich selbst habe 22 Punkte gewonnen mit 5,5/8 und einer Performance von 2095. Damit habe ich mein schachliches Lebensziel als Jugendlicher, eine DWZ von über 2000 zu haben, erreicht und habe jetzt ein halbes Jahr Zeit, mir über einen möglichen Ruhestand Gedanken zu machen.
Fritjof Wolf erzielte zwar nur 2,5/7, das aber gegen einen Schnitt von 1998. Dadurch hat er sich um 15 Punkte verbessert auf nunmehr 1847 und ist damit immer noch unterbewertet. Wenn er nicht ungewöhnlich häufig Ein-oder Zweizüger übersehen würde, würde er mit seinem positionellen Spielverständnis locker deutlich über 1900 erreichen (so hat er an anderer Stelle gegen einen IM diesen immerhin ziemlich ins Schwitzen gebracht, bevor dann wieder so ein Einzüger kam … (Wolf-Thiede). Für nächste Saison peilen wir mal die 1900 an, gelle?
Theo Heinze kam in der Mitte der Saison nach zwölfjähriger Schachpause zu uns und hat sich sofort meine vollste Sympathie erworben: jedes Spiel bestritten, immer frühzeitig zugesagt, immer pünktlich. Super! Ach, ja, Schach hat er auch gespielt: 2,5/5 gegen 1966, was eine Verbesserung von 9 Punkten bedeutet. Irgendwie sah das immer sehr vernünftig aus, was er da auf dem Schachbrett macht. Die mangelnde Schachpraxis war ihm aber anzumerken: in seiner ersten Partie nach 12 Jahren hat er gewissermaßen selbstverständlich verloren und danach noch zwei Mal Remis gemacht in Gewinn- bzw. besserer Stellung. Auch Zeitnot spielte dabei eine Rolle, womit er ja gewissermaßen die Zugangsvoraussetzung für diese Mannschaft erfüllt. Da er nun aber eingespielt ist, dürften ≥ +3 kommende Saison nicht unrealistisch sein.
Ebenfalls 50 % (aber 1⁄1 in der 5.) erzielte Vielspieler (sehr viel weniger als 100 Turnierpartien pro Jahr dürften es nicht sein) Peter Baranowsky: +17 Punkte bei einer Performance von 1939 zeigen, dass er sich gegenüber letzter Saison deutlich verbessert hat und eigentlich ein ordentlicher 1900er ist. Manchmal gerät er ausgangs der Eröffnung in etwas passive Stellungen, agiert sonst aber ziemlich souverän. Unvergessen indessen sein Sieg zum 4:4 in der letzten laufenden Partie gegen Weißensee … Das Video dazu gibt es auch noch. Ähnlich wie Kai Stephan sagt er mir vor der Saison immer, wann er spielen kann und tut es dann auch ohne Probleme. Ach, das Leben als Mannschaftsführer könnte so einfach sein …
Zu Rainer Dambachs 0⁄4 kann man nicht wirklich viel sagen, außer: passiert, kennt jeder von uns, Kopf hoch. Letzte Saison waren es noch 4,5/8, was realistischer sein dürfte. Also: schnell abhaken, vergessen und nächte Saison alles nochmal neu.
Michael Stieber ist der einzige Spieler, der alle neun Spiele gemacht hat. Und das trotz Belastung durch Job und Baby. Super! Schachlich lief es mit 3,5/9 und einer Performance von 1808 leider nicht so gut, aber gegen Hermsdorf setzte er in einer bemerkenswerten Partie das Highlight zum 4,5-Sieg. Ob er kommende Saison sein Ergebnis für die Schachfreunde wieder verbessern kann, ist fraglich. Trotz aller Besserungen ist der Arbeitsmarkt in der Hauptstadt nicht sehr vielversprechend, für Wissenschaftler zumal. Hoffen wir einmal das Beste, es wäre wirklich schade.
Udo Lechtermann hat sich mit 3,5/6 gehalten, wobei ich eigentlich eher mit einer Steigerung gerechnet hätte. Aber noch mehr als den anderen Spieler unserer Mannschaft kommt ihm die Zeitnot ins Gehege. Und hier kommt die große Neuerung kommende Saison ins Spiel: auch in der Stadtliga wird künftig mit der Landesliga-Bedenkzeit gespielt, d.h. 90 Minuten/40 Züge + 30 Minuten/Rest + 30 Sekunden Bonus ab dem 1. Zug. Das dürfte allen Spielern dieser Mannschaft ziemlich recht sein … Wir gehen also optimistisch in die neue Saison, sind aber immer auf der Suche nach netten und zuverlässigen Spielern.
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