Auftaktniederlage gegen Moskau

von am 15. September 2014 in ECC 2014, Nachrichten

Auftaktniederlage gegen Moskau

Die Schach­freunde nehmen zum achten Mal am Europa­pokal für Vereins­mann­schaften teil - in diesem Jahre in der schönen spani­schen Stadt Bilbao. Parallel findest des Grand-Slam-Finale statt. Mit Levon Aronian ist ein Ehren­mit­glied der Schach­freunde in diesem Turnier mit dabei. Mit Ausnahme von Magnus Carlsen sind die ersten zehn Spieler der September-Weltrang­liste vor Ort.

In der ersten Runde verloren die Schach­freunde erwar­tungs­gemäß gegen Moskau. Das Resultat kann sich aber in Anbetracht des ELO-Nachteils sehen lassen:

6 Schach­freunde Berlin (32) 1.5 4.5 SHSM (6)
6.1 2434 Lauber, Arnd ½ ½ Dreev, Aleksey 2662
6.2 2446 Abel, Dennes 0 1 Grachev, Boris 2673
6.3 2426 Polzin, Rainer 1 0 Najer, Evgeniy 2646
6.4 2271 Lundin, Jan 0 1 Dubov, Daniil 2614
6.5 2280 Nogly, Christoph 0 1 Popov, Ivan 2627
6.6 2268 Wintzer, Joachim, Dr. 0 1 Potkin, Vladimir 2610

 

Nach langer Zeit mal wieder war die Aufstellung der Mannschaft der SF Berlin so schwach (oder die anderen waren so stark), dass wir in der unteren Hälfte des Tableaus gelandet sind. D. h., dass uns in der ersten Runde nicht Fallobst vorge­setzt wurde, sondern dass wir selber das Fallobst waren.

Prognosen eine Woche vor Beginn der Veran­stal­tungen sahen uns an Tisch 4 oder 5 gegen den Titel­ver­tei­diger Novi Bor aus der Tsche­chi­schen Republik oder gegen St. Petersburg spielen, denen wir bei deren Titel­gewinn 2012 in Rogaska Slatina durch ein 0-6 wertungs­tech­nisch geholfen haben.

So richtig falsch lagen wir damit nicht, trafen wir doch an Tisch 6 gegen SHSM Moskau an. Von denen wurde auch unsere „Fallobst“-Einschätzung geteilt, ließen sie doch ihre Top-Bretter Nepom­ni­achtchi und Morozevich – beide mit Elo über 2700 – ruhen. Trotzdem hatten sie an allen Brettern mindestens 250 Elo-Punkte Vorteil. Dass sollte doch immer noch zu einem 6-0 reichen, oder?

An den drei hinteren Brettern lagen sie damit auch völlig richtig. Jan Lundin an Brett 4 musste als erster die Segel streichen. Er kam aus der Eröffnung mit einer unangenehm zu spielenden Stellung heraus und wurde syste­ma­tisch unter Druck gesetzt, wonach ein Bauer nach dem anderen fiel.

Unter Druck stand auch Joachim Wintzer an Brett 6, was er aber in seinem geliebten Stonewall-Holländer auch gewohnt ist. Nur spielt er halt nicht täglich gegen einen ehema­ligen Europa­meister wie GM Potkin. Der Druck nahm nicht ab und schließlich übersah Joachim ein Sprin­ger­ofper auf c6, wonach die weißen Freibauern auf der c-Linie den Tag entschieden.

Nur wenige Sekunden später strich auch Christoph Nogly die Segel, was er laut Stellung aber auch schon viel früher hätte tun können. Sein Anti-Grünfeld-Indisch Eröff­nungs­ex­pe­riment ging gründlich daneben.

Arnd Lauber spielte gegen Alexey Dreev Remis.

Arnd Lauber spielte gegen Alexey Dreev Remis.

 

 

 

 

 

 

 

Viel besser lief es an den drei Spitzen­brettern, die wir mit 1,5-1,5 unent­schieden halten konnten. Und es war sogar noch mehr drin. An Brett 1 spielte Arnd Lauber gegen den ehema­ligen WM-Kandi­daten Alexey Dreev. Die Vorbe­reitung war leicht, da Dreev seit gefüht 100 Jahren immer das gleiche spielt, nämlich Halbsla­wisch. Arnd wählte einen sehr soliden Aufbau und fühlte sich auch sehr wohl, als Dreev völlig überra­schend mit e6-e5 einen Bauern opferte.

Ob er sich dazu genötigt sah, weil er seine Stellung sonst als zu passiv ansah oder ob es ein Gewinn­versuch war, wissen wir nicht. Jeden­falls konnte Arnd die danach aktiv werdenden schwarzen Türme leicht abtau­schen und hatte im Läufer- und Sprin­ge­rend­spiel einen Mehrbauern. Aller­dings war die Bauern­ma­jo­rität des schwarzen am Damen­flügel sehr aktiv und er weiße Bauer auf a2 sehr schwach. So hatte Schwarz wohl immer genug Gegen­spiel, um den weißen Mehrbauern zu kompen­sieren.

Hart am Remis war auch Dennes Abel. Und dass, obwohl er zum Schluss einen Springer und Bauern weniger hatte! In der Zeitnot­phase konnte er aber nicht mehr alle Feinheiten durch­schauen und musste sich dann doch geschlagen geben.

Den Siegpunkt für uns steuerte Rainer Polzin gegen GM Evgeny Najer bei. Letzterer spielte in klassi­scher Kaffeehaus-Manier: schwarzer Bauer nach h4, Th8-h6-g6 und dann noch die Dame nach g5 und matt drohen auf g2! Das alles ließ sich mit Kh1 und Tg1 leicht decken und Rainer dachte, dass er großen Vorteil hätte. Unsere mensch­liche Abend­essen-Analyse bekräf­tigte dies, die compu­ter­ge­stützte Analyse sah aber noch gehörige Ressourcen für Schwarz.

In der Zeitnot­phase geschahen dann aber unglaub­liche Sachen. Als Rainer quasi mit der Aufgabe seines Gegners rechnete, opferte dieser aus heiterem Himmel einen Springer auf f3! Nach der folgenden Abwicklung kam es zu einem Sprin­ge­rend­spiel mit einem Mehrbauern für Rainer, dass entgegen dem ersten Eindruck gar nicht mal so klar – wenn überhaupt – gewonnen ist.

Als Rainer dann auch noch das seine Bauern­struktur zerstö­rende f3 übersah, war die Stellung trotz zweier Mehrbauern Remis. In hochgra­diger Zeitnot bot er dieses auch an, aber es wurde abgelehnt. Die Stellung blieb im Gleich­ge­wicht, auch nach dem Durch­bruch b4, den Schwarz übersehen hatte. Der entschei­dende Fehler von Schwarz war Kb5. Danach lief alles wie am Schnürchen.

In der zweiten Runde geht es gegen die dänische Mannschaft von Bronshoj Skakfo­rening.

Der Link zur Turnier­seite: http://europeanchessclubcup2014.com/

Die Partien (die Abel-Partie ging noch 30 Züge länger, wird noch vervoll­ständigt!):

 

Impres­sionen:

Ob die Schachfreunde auch am Ende oben stehen?

Ob die Schach­freunde auch am Ende oben stehen?

 

 

 

 

 

 

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Pentala Harkrischna (Novy Bor) und Weltmeistern Hou Yifan (Monte Carlo) reprä­sen­tierten bei der Eröff­nungs­feier die Vorjah­res­sieger des ECC. Levon Aronian will wie im Vorjahr das Grand-Slam-Finale gewinnen.

 

 

 

 

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Die Fans von Ruslan Ponomariov haben etwas dagegen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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