Böse Männer Morden

von am 27.02.2017 in 4. Mannschaft, BMM, Teams

Böse Männer Morden

Nachdem ich im 9. Zug mit Lb5 die gegnerische Dame aufgespießt hatte, war es gerade mal 9.30 Uhr. Da unser Brett 7 bereits kampflos gewonnen hatte, stand es nach einer halben Stunde an diesem Sonntag morgen bereits 2:0 für uns Schachfreunde. Noch 2,5 Punkte bis zum Mannschaftssieg.

Was macht man die ganze Zeit, während sich die Mannschaftskollegen noch stundenlang mit ihren Partien beschäftigen? Für Laien machen 2 sich gegenüber sitzende Schachspieler schon wenig. Aber was macht ein Schachspieler, der nicht mal ein Gegenüber hat? Ich schaue mich in unserem Spiellokal um: „Küchennutzung nur Beschäftigten des Nachbarschaftstreffs gestattet“ steht auf einem Schild. In der Küche werkelt es. Ich will da nicht stören.
Auf einem Tisch im Flur steht ein Bierglas mit Bierlabel-Werbung.Vor dem Glas liegt ein Zettel, auf dem in kritzeliger Schrift geschrieben „zum Mitnehmen“ steht. Gezeichnete Pfeile weisen zur Verdeutlichung nochmal auf das Bierglas. Ich lasse es trotzdem stehen – ich trinke nur selten Bier.
Zum Mitnehmen sind auch ein Haufen zerlesener Bücher im Eingangsbereich, deren Titel man nicht kennt und die man wohl auch nicht gelesen haben muss.
Gearbeitet wird um diese Zeit auf der Bülowstr. Ich habe jedoch nicht beobachtet, ob es auch Kunden gab, die sich durch das „HastduLust?“ auch dieser hingaben.

Zurück im Spielsaal werde ich gefragt: „Bist du der Chef hier?“ Ich nicke: „Darf ich Remis ?“ Unser Brett 2 kann noch nicht so gut Deutsch, aber ich habe ihn verstanden und war auch einverstanden. Noch 2 Punkte bis zum Mannschaftssieg.

Ich setze mich an meinen Tisch und sinne vor mich hin.Wie kann man das Kürzel BMM eigentlich noch übersetzen? Böse Männer Morden, Bier Macht Munter, Brot Mit Marmelade.
Ich gehe wieder umher und bin recht optimistisch, dass wir den Mannschaftssieg einfahren. Es ist eigentlich nur die Frage, ob es 4,5-, 5-, 5,5- oder 6-2 für uns ausgeht.

An Brett 6 sehe ich immer nur, dass Schwarz Zug für Zug seine Dame von c6 nach d7 und wieder zurück nach c6 zieht und wir unsere Stellung immer weiter verbessern. Schließlich wird die Partie hübsch mit einem Qualitätsscheinopfer beendet. Unser Brett 5 hat inzwischen seine Initiative verloren und steht schließlich auf Verlust. Brett 4 spielt seinen Gegner an die Wand: „un petit combination“ zum Schluss und Punkt für uns. An Brett 3 werden wir Matt gesetzt: Manchmal reicht eine Mehrfigur nicht zum Sieg und kann auch eine Niederlage nicht abwenden. Schließlich macht Brett 1 in einem nicht trivialen Endspiel alles richtig und gewinnt den vollen Punkt.

Um 14.20 Uhr war es dann soweit: Wir sind Tabellenführer der Stadtliga A. Es gibt allerdings noch nichts zu feiern. Schach ist ein verdammt schweres Spiel und die zwei kommenden Mannschaften haben auch Künstler in ihren Reihen – Berliner Mannschafts Meisterschaft eben.

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