Roman und die fünf Ms gegen Lichtenberg 5

von am 15.01.2014 in 7. Mannschaft, SFB7 Saison 2013/14, Teams

...................................... oder: der Erfolg hat viele Väter

1. Markus Hoff     (1)
2. Roman Sippel  (1)
3. Miguel Parada Contzen (1)
4. Michael Hitzel­berger (0,5)
5. Mariusz Kaniecki (1)
6. Marco Scheel (1)
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             Ein Bericht von Markus Hoff:
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„Die BMM-Saison geht für die siebente Mannschaft der Schach­freunde Berlin in die entschei­dende Phase mit den Auftritten gegen die Aufstiegs­kon­kur­renten auf den Tabel­len­plätzen zwei und drei im Januar 2014.
Zunächst möchten wir uns wieder für die Wettkampf­vor­be­reitung durch unseren Mannschafts­leiter Marcus Gretzerbier bedanken, der einmal mehr erfolg­reich Wünsche nach Einsatz­zeiten und die sport­lichen Erfor­der­nisse ausba­lan­ciert hat, ohne am Spielort anwesend sein zu können!
Bei der Lektüre der Aufstellung fiel mir auf, dass unserer­seits fünf verschiedene Vornamen, die mit M beginnen am Start waren, was ich kurz vor Beginn der Partien zu einem Gemein­schaft stiftenden Scherz in unserer doch noch neuen Truppe nutzen konnte. Der Puls jedes Mannschafts­leiters (vor Ort) geht immer etwas ruhiger, wenn alle Spieler pünktlich an ihren Brettern sitzen, was die Lichten­berger immer dadurch ein wenig zu erschweren scheinen, dass sie ihr Spiel­lokal hinweisfrei hinter Garagen­ba­racken verbergen. Dank also an meine Mannschafts­ka­me­raden für das pünkt­liche Erscheinen und dies sollte an diesem Tag nicht das letzte Mal bleiben, dass ich Grund zur Dankbarkeit empfand!
Man kann einen Mannschafts­kampf und eine Schach­partie bekann­ter­maßen auf verschiedene Arten gewinnen, aber eben auch verlieren.
Mein Gegner an Brett 1 erkun­digte sich erst kurz vor dem Partie­beginn vernehmlich bei einem Vereins­ka­me­raden nach uns und beschloss, sich mit Schwarz eine Reichs­festung im Damen­gambit einzu­richten, nachdem man ihm berichtet hatte, dass die Schach­freunde 7 bisher in dieser Saison stets mindestens vier Punkte an sechs Brettern geholt hatten. War ich in den ersten zwei Runden mit Gambit­bauern geradezu beschossen worden, so durfte ich diesmal in den ersten fünf Zügen a6 und h6 bestaunen. Man kann eine Schach­partie in der Eröffnung gewinnen, aber mehr als eine minimalst besser entwi­ckelte Stellung sprang für mich trotzdem nicht heraus, zumal ich den Kopf aus jobtech­ni­schen Gründen einfach nicht frei zu bekommen schien. Wie lief es also bei den Anderen?
Schach­trainer und IM Jeremy Silman schreibt, dass man die besseren Spieler unwei­gerlich an der Qualität ihrer Leicht­fi­gu­ren­po­si­tio­nierung und -handhabung erkennt. Daran musste ich unwei­gerlich denken, als mir auffiel, dass an drei von den fünf anderen Brettern um zehn vor zehn schon keine Leicht­fi­guren mehr mitspielten. Vermutlich ein genialer Trick der Lichten­berger, um ihre DWZ-Unter­le­genheit zu kompen­sieren, aber warum hatten die Unsrigen mitge­spielt?
Bei Michael am vierten Brett blieb dann tatsächlich bald nicht mehr genug zum erfolg­reichen Weiter­spielen übrig, weswegen sich der Gegner über den ersten halben Punkt freuen durfte. Im Angesicht der Tendenzen an den anderen Brettern, brachte uns Michaels halber Punkt auch dem Mannschaftssieg näher. Plötzlich fiel mir ein, dass mein eigener weißfeld­riger Läufer irgendwann mal besser als sein Widerpart auf schwarzer Seite stehen könnte, obwohl er derzeit auf Granit biss...
Ermutigt setzte ich die Beobach­tungen fort und musste konsta­tieren, dass der kleine Junge am letzten Brett der Lichten­berger genau das tat, was er tun sollte. Von keinerlei Bedenken angekränkelt, setzte er als Einziger unseren Marco von Beginn an talen­tiert unter Druck und hätte die Partie wohl auch gewonnen, wenn ihm nicht irgendwann die alters­gemäße Ungeduld einen Strich durch die Rechnung gemacht hätte. Da Marco auch jung ist, bekam der Knabe nicht den Bonus des Welpen­schutzes. Er verlor auch nicht die Contenance, als der Trainer des Kindes während der Partie einige sicherlich nicht die Zugwahl betref­fende Tipps flüsterte, was mich kurz ein Eingreifen erwägen ließ.
Vorher hatte sich bereits Miguel um unser Abschneiden verdient gemacht, indem er das Remis­an­gebot seines Gegners sofort mit einem heftigen Kopfschütteln und einem Lächeln abgelehnt hatte! Anschließend schloss er seinen Angriff am dritten Brett mit einem sogar optisch anspre­chenden Matt im ca. 25. Zug ab! Er bleibt also bei 100 % in dieser Saison. Da er noch keine DWZ-Zahl vor Beginn der Saison hatte, lässt sich nur konsta­tieren, dass man sportlich nicht wertvoller sein kann.
Wenn wir schon beim Thema 100 % sind: Mariusz am fünften Brett verbrachte einen fokus­sierten, doch ihn nicht besonders anstren­genden Morgen. Smalltalk mit dem Gegner vor Beginn der BMM-Partie jenseits der Begrüßung, wie ich es gelegentlich tue? Fehlan­zeige. Es sprechen die Züge!  Spätestens als Mariusz darauf verzichtete, die Dame des Gegners einzu­sacken und statt­dessen über dessen Majestät herfiel, war die Partie - nicht nur psycho­lo­gisch - entschieden. Ein weiteres Mannschafts­mit­glied, dass mir an diesem Morgen ein Vorbild war!
Am ersten Brett hatte im 18. Zug der mit großem Abstand bestbe­wertete Lichten­berger verspätet die schwarze Entwicklung abgeschlossen und ließ nun ein Remis­an­gebot folgen, das er psycho­lo­gisch gewieft auch noch dadurch unter­mauerte, dass er seine Wander­schuhe auf- und wieder zuschnürte, dabei den Doppel­knoten auslassend. Augen­scheinlich hatte er nicht sein Mannschafts­er­gebnis, sondern andere Sonntags­lust­bar­keiten im Blick, bei denen die Ersteigung eines Dreitau­senders aber wohl nicht vorge­sehen war.
Während ich noch über mein Arbeits­pensum für die kommende Nacht und die Tatsache nachdachte, dass meine Annahme uns sehr nah an den vorzei­tigen Mannschaftssieg bringen würde, erhielt auch Roman am zweiten Brett ein Remis­an­gebot, der sich schon in einem Endspiel mit eigenem Läufer gegen Springer bei fünf Bauern auf zwei Flügeln befand. Dass er das Angebot nur mit einem Zug und nicht mit einem Wort beant­wortete, hätte GM Viktor Korchnoi kriti­siert, aber Viktor spielt auch nach seinem Schlag­anfall noch nicht für Lichtenberg. Roman besprach die Lage der Dinge nicht nur kurz mit mir, sondern gewann dann einfach sein Endspiel und lächelte mir dann aufmun­ternd zu. Dies war mir ein Vorbild ebenso wie ein Beleg für die oben erwähnte These von Jeremy Silman.
An Miguels entschlos­senes Kopfschütteln denkend, fielen mir auch einige der Presse­kon­fe­renzen von „unserem“ neuen Weltmeister Magnus Carlsen ein, der im Wettkampf in Chennai mehrmals in Anwesenheit seines Gegners Viswa­nathan Anand sagte, er habe auch heute eine ausge­gli­chene Stellung völlig gefahrlos weiter­spielen können, da er die ja eh nicht hätte verlieren können. Es ist wahr, ich bin nicht Carlsen, aber mein Gegner war mit Sicherheit auch nicht Anand. Als mir dann Mariusz noch einen anspor­nenden Knuff gab, setzte ich nach dreizehn Minuten meine Partie fort. Danke Euch!
Im 30. Zug erneuerte mein Gegner das Remis­an­gebot. Da ich aller­dings unter­dessen endgültig im Besitz der einzigen offenen Linie und der besseren Leicht­figur (der Läufer!) war und auch sonst vor allem das Selbst­ver­trauen gefunden hatte, blieb ihm noch ein Konter­versuch mit Damen­ein­bruch in das Hinterland meiner sich nach vorne verla­gernde Stellung in knapper werdender Zeit. Hier - so rechnet auch Houdini - hätte ich die Sache fast zum Dauer­schach­remis verdorben, wenn mich nicht in einer Unter­va­riante noch eine Möglichkeit, Selbstmord zu begehen erschreckt hätte. Nach acht Minuten, die ich sonst im 34. Zug oft nicht mehr habe, fand ich dann plötzlich den Neutra­li­sie­rungszug: Seinen en prise stehenden Freibauern ignorieren und die Dame zurück ziehen!  Frustriert ermög­lichte er mir drei Züge später, mittels Damen­tausch ihm seine letzte Hoffnung zu rauben, um kurz nach der Zeitkon­trolle dann die Qualität einzu­stellen. Er gratu­lierte sich dann - nicht unver­dient - selbst zu seinem Kampf­geist und wir hatten 5,5 zu 0,5 gewonnen. Man kann also - Überra­schung! - eine Partie auch durch besseres Rechnen und mehr Durch­hal­te­ver­mögen gewinnen. Wie schön!
In zwei Wochen kommt es nun bei uns zum Aufein­an­der­treffen mit den zweit­plat­zierten Schach­freunden von Weiße Dame, die zeitgleich das Charlot­ten­burger Duell gegen Hertha verloren und daher nun zwei Mannschafts­punkte hinter uns rangieren. Diese Nachricht war das Sahne­häubchen auf den eindrucksvoll unter­mau­erten Aufstiegs­am­bi­tionen der siebenten Mannschaft der Schach­freunde Berlin.“
                                                                  Markus Hoff
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Platz Mannschaft Spiele MP BP
1 SF Berlin 1903 7 5 10 23,5
2 SC Weisse Dame 7 5 8 19,0
3 CFC Hertha 06 3 5 6 16,0
4 SG Lichtenberg 5 5 6 14,0
5 SG Lasker Steglitz-Wilmersdorf 5 5 5 15,5
6 TuS Makkabi Berlin 3 5 5 13,5
7 Schach­pin­guine Berlin 2 5 4 15,0
8 BSC Rehberge 1945 4 5 3 12,0
9 SC Zitadelle Spandau 1977 5 5 2 10,5
10 SK Zehlendorf 4 5 1 8,0

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