Saisonfinale in Dortmund

von am 14.04.2012 in Nachrichten

Saisonfinale in Dortmund

Sonntag, den 15. April, Schach­freunde Berlin gegen Dortmund

15:00 Der Kampf ist nun auch ofiziell zuende,3:5 ist das Endergebnis. Nach einer tollen Saison gab’s zum Abschluss noch einmal kräftig etwas auf die Finger, heute war es ein verdienter Sieg von Dortmund. Fazit: Reisen nach Dortmund sind aus sport­licher Sicht heutzutage nicht empfeh­lenswert. Ein  Saison­re­sümee gebührt sicher noch ein eigener Artikel. Ich wünsche allen Schach­freunden im engeren wie weiteren Sinne einen schönen Sonntag.

14:10 Es gibt Mannschafts­kämpfe, die zu kommen­tieren keine große Freude machen. Ein probates Mittel in solchen Fälen ist es, den Kampf einfach zu verschlafen, so auch heute.  Als ich soeben wieder erwachte, und einen vorschla­fenen Blick auf den Bildschirm warf, stand es 4:2 gegen uns! Was war geschehen. Zuerst erwirschte es Dennes, der sich sein Saison­er­gebnis nach so einer fulmi­nanten Saison mit zwei Nieder­lagen sicher anders vorge­stellt hat, später kam dann Peter gegen Hedinn Stein­grimmson unter die Räder und die übrigen Partien endeten, teilweise etwas glücklich, remis.

12:30 Hoch her geht es in der Partie zwischen Mikael und Patrick Zeibel am siebten Brett, in der aller­dings die besseren Karten eher auf Dortmunder Seite zu liegen scheinen, dennoch: die Stellung ist sehr von takti­schen Motiven geprägt und auch gestern hatte ja Mikael in kompli­zierter Stellung die Nase vorn.

12:00 Nachdem mir des Nachts in meinen Fieber­träumen immer wieder ein Bauer auf h5 erschienen ist, kam mir mein Artikel zum Hovhan­ni­syan­schen h7/h6-Dilemma wieder in den Sinn. Gestern war es also das Hrantsche h5-Dilemma (Fortsetzung auf der h-Linie folgt). Ich habe mir die Partie daraufhin schweiß­ge­badet noch einmal angeschaut und in der Tat ist Schwarz gezwungen, sich in das Dauer­schach zu fügen. Sollte Schwarz versuchen, tollkühn mit dem König über g6, f5 und e6 zu entfliehen, verliert er gar noch die Partie. So aber ergab es eine sehr unglück­liche Niederlage. Ausgangs­punkt des heutigen Kampfes ist der 9. Tabel­len­platz und der von Rainer erträumte fünfte Rang in weiter Ferne. Wir treten in unver­än­derter Aufstellung gegen Dortmund an, denen der gestrige Sieg gegen unseren Reise­partner Hamburg sicher Auftrieb gegeben hat. Nach zwei Stunden Spielzeit ist jeden­falls noch alles offen.

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Samstag, den 14. April, Schach­freunde Berlin gegen Watten­scheid

Voller Freude hatte ich mich schon  auf eine Fahrt in die - Robben sei Dank - mutmaß­liche Residenz des nicht nur amtie­renden, sondern neuen deutschen Meisters einge­stellt, da kam mir ein Bazillus in die Quere und ich rede jetzt nicht vom äußerst resis­tenten bacillus hiphope­ritis (eh peopelz!). Statt­dessen sitze respektive liege ich in heimat­lichen Gefilden, mit einer äußerst seltenen Aufgabe ausge­stattet, das vermutlich beste Saison­er­gebnis der Schach­freunde seit Bestehen der Schach­bun­desliga zu begleiten - welch ein Pathos! Mein Arzt, würde ich ihn konsul­tieren, hätte mir bei meinem Zustand von aller möglichen Aufregung abgeraten und zugege­be­ner­maßen wäre das Unter­fangen in früheren Spiel­zeiten nachgerade lebens­ge­fährlich (Sb3 !), aber in dieser Saison ist ja alles anders.

Heute geht es also gegen Watten­scheid, die vorsichtig formu­liert, nicht mit der besten Aufstellung in das letzte Wochenende der Saison gegangen sind. Die ersten Bretter sind allesamt nicht am Start, Vitiugow, Najer, Macieja, Bartel, Czarnota, Rustemov. Statt­dessen ist mit Setznummer 5, 8, 10, 12, 14, 15, 16, 17 ein rein deutsches Team angetreten, durchaus ungewöhnlich!. Die Schach­freunde hingegen  sind nicht in bester, aber doch starker Besetzung angetreten. Martin Krämer ist nicht mit von der Partie, dafür hat Mikael Agopov (dummer­weise ohne Verein­s­kleidung, also quasi nackt, denn eine Rettungs­aktion des SEK - Schach­freun­de­ein­satz­kom­mandos - mit Hubschraubern schei­terte in letzter Minute) seinen ersten Einsatz in dieser Saison und der Geist Aronjans schwebt ohnehin über dem ganzen Team: An. 1. Hrant Melkumjan, 2. Peter Michalik, 3. Arnd Lauber, 4. Ilja Schneider, 5. Rainer Polzin, 6. Lars Thiede, 7. Mikael Agopov, 8. Dennes Abel. 19654 Elopunkte (Watten­scheid) stehen 19865 (Schach­freunde) gegenüber, also 26 Punkte Unter­schied pro Brett zu unseren Gunsten, das reicht zwar nicht, um von einer Favori­ten­rolle zu sprechen, aber es ist doch eher die Seltenheit, zumal in dieser Saison, in der viele Mannschaften ja hochge­rüstet haben. Dass das aller­dings ja kein Automa­tismus auch für ein gutes Abschneiden ist, dafür spricht der Verlauf der gesamten Saison, und das zeigt auch das heraus­ra­gende Abschneiden der Berliner Teams, denn auch Tegel kann auf eine fulmi­nante Saison zurück­blicken, auch wenn es vermutlich für den Klassen­erhalt nicht ganz reichen wird. Für die Schach­freunde hingegen würde ein heutiger Sieg bedeuten, Watten­scheid in der Tabelle zu überholen, denn nur ein einziger Punkt trennt die beiden Mannschaften: Also für Spannung ist definitiv gesorgt und wie hochmo­ti­viert das Team um Homie Rainer ist, zeigt sich schon an dem Umstand, dass die Mannschaft bereits am Freitag­abend den Weg nach Dortmund gefunden hat.

15:41 aus Berliner Sicht gibt es noch wenig zu berichten, dafür zeichnet sich in einer hochran­gigen Partie von Markus Ragger (Solingen) gegen Maxime Vachier-Lagrave (Mülheim) ein Debakel nach bereits 15 Zügen ab:

Dass ein 2715-Spieler so schnell unter die Räder gerät, ist eher eine Seltenheit, zumal sie offen­kundig mehr nach  einem Rechen­fehler (Bxd4) und weniger nach einer Hausvor­reitung des Öster­rei­chers aussieht.

Hochin­ter­essant ist auch der Umstand, dass im Spitzen­kampf Anand (Baden-Baden) mit den schwarzen Steinen gegen Sergei Tiviakov (Eppingen) eine äußerst unange­nehme Stellung zu vertei­digen hat.

Anand ist am Zug; es wird inter­essant sein zu beobachten, ob der Weltmeister diese Stellung noch wird halten können, ich vermute, das es ihm nicht gelingen wird. Ungewöhnlich, dass nahezu 40 Züge schon nach zweieinhalb Stunden Spielzeit erreicht sind. Anand gilt ja gemeinhin als schneller Spieler, aber schnell spielen um in einer solchen Stellung zu landen, kann nicht das Ei des Kolumbus sein, Gelfand wird’s freuen.

17:24 Meine Aufmerk­samkeit galt die letzte Stunde zwei drama­ti­schen Berliner Partien. Die eine betraf Hertha BSC Berlin, die einen 2:0-Rückstand gegen Lever­kusen aufholten, einen Spieler mit roter Karte verloren, dann noch in Unterzahl mit 3:2 in Führung gehen, um dann kurz vor der Zielgerade noch den Ausgleich zu kassieren. In der anderen war dem Berliner weniger Glück beschieden: die Partie von Dennes, der mit Schwarz gegen Timo Sträter in eine schwierige Lage geriet und dem weißen Angriff nach einigen ungenauen Fortset­zungen nichts mehr entge­gen­setzen vermochte. Damit geht Watten­scheid mit 1:0 in Führung, und es bleibt zu hoffen, dass Dennes durch diese Niederlage seine IM-Norm nicht in Gefahr bringt (siehe den Bericht von Rainer zu den Normchancen unserer Mannschaft).

17:34 In kurzer Zeitspanne ergaben sich drei Remis­ent­schei­dungen: Peter spielt remis gegen Ralf Appel, hatte aber im 2122. Zug kurzfristig deutlichen Vorteil, den er aber nicht nutzen konnte, mehr dazu gleich.

Arnd trennt sich gegen Frank Holzke friedlich, das Turmend­spiel ist ausge­glichen, was auch für die Partie von Ilja gilt, der gegen Florian Handke mit den schwarzen Steinen ein ungefähr­detes Remis erreicht.

17:42 Nachtrag: Erwar­tungs­gemäß hat Vachier-Lagrave seine Partie verloren, aber auch Anand muss kapitu­lieren! Überhaupt scheint sich es im Spitzen­spiel zwischen Eppingen und Baden-Baden eine große Überra­schung anzubahnen.  Vallejo Pons überspannt den Bogen gegen Peter Acs und ist nunmehr in einer aussichts­losen Position.

17:48 unser Kampf nimmt keinen guten Verlauf. Rainer findet in Zeitnot nicht die richtigen Züge und muss wenig später kapitu­lieren, damit geht Watten­scheid mit 3,5 zu 1,5 in Führung.

Nun ruhen die Hoffnungen der Schach­freunde auf Mikael, der - in gegen­seitig drama­ti­scher Zeitnot - eine vorteil­hafte Stellung hat, aber ob Hrant und Lars, beide mit leichten bis minimalen Vorteilen den Rückstand egali­sieren können, bleibt fraglich.

17:58 Lars hat gute Nerven und bringt seine Freibauern auf der c-Linie weit nach vorne, mit großen Chancen, diese Partie für sich zu entscheiden.

18:00 Schönes Finale also von Lars, sein Gegner streckt die Waffen, damit nur noch ein Rückstand von 2,5 zu 3,5. Aber leider lässt sich das nicht von Mikaels Partie sagen. Der Vorteil (zeitweilig 3.83 Houdini) ist gewichen  (0.60) , aber die Stellung ist noch sehr komplex.

19:00 Schachlich sicher nicht die beste, aber dafür mit Sicherheit die spannendste Partie ist der Kampf zwischen Mikael und Benjamin Tereick, aber glück­li­cher­weise hat Mikael Nerven bewiesen. Seine Freibauern machen nun das Rennen und der Ausgleich zum 3,5 zu 3,5 ist in greif­barer Nähe.

kurz vor 20:00 Nach gut 6 Stunden fällt mir auf, dass Hrant am ersten Brett ja mit den weißen Steinen und nicht mit Schwarz spielt,  also seit geraumer Zeit immer leicht schlechter steht!!!!!!! (Satzzeichen sind keine Rudel­tiere!!!!!!!) „Es war die Nachtigall, und nicht die Lerche“, höre ich sie schon höhnen... Glück­li­cher­weise zeigt mir just zum Zeitpunkt des Gewahr­werdens der großartige Houdini 0.00 an, was ein 4:4  wahrscheinlich macht.

Während die Partie von Hrant gegen Bogner vor sich hinplät­schert, verbleibt Zeit für ein kurze Umschau: Baden-Baden lässt einen Punkt gegen Eppingen sausen, Katernberg gerät überra­schend gegen Remagen unter die Räder und kann mit 15 Punkten noch von uns (14 Punkte) eingeholt werden. Hockenheim verliert klar gegen Trier (15 Punkte) und hat nun ebenfalls 14 Punkte. Im Kampf um den Abstieg, der vor der heutigen Runde eigentlich schon entschieden war, wird es nun doch noch einmal spannend, denn sowohl Hamburg als auch Emsdetten (gegen Dresden) mussten heute eine Niederlage einstecken. Hamburg zumal noch gegen unseren morgigen Gegner Dortmund, der nun mit einem Sieg gegen zu Emsdetten und Hamburg aufschließen würde, voraus­ge­setzt, dass beide Mannschaften - Emsdetten und Hamburg - keinen Punkt erzielen. Dasselbe gilt natürlich auch für Dresden!

Während ich diese Zeilen schreibe, hat sich die Compu­ter­be­wertung merklich zu unseren Ungunsten verändert, ich beginne langsam von normaler Atmung zur Schnapp­atmung überzu­gehen, Torfatmung ist in greif­barer Droh-Nähe und das, was ich noch im vorigen Absatz geschrieben hat, ist nunmehr Makulatur! Hrant hat das Dauer­schach verschmäht und das hat Bogner bitter gerächt. Der Gewinn­versuch mit 66. h5 macht die Lage schwierig und nach wenigen Zügen später ist die Niederlage gegen Watten­scheid besiegelt. Hier das Drama noch einmal zum Nachspielen:

 

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