Knappe und etwas unglückliche Niederlage gegen Eppingen

von am 25.02.2012 in Berichte zur 1. Bundesliga, Saison 2011/12

Knappe und etwas unglückliche Niederlage gegen Eppingen
Ilja Schneider hatte Erfolg gegen Arik Braun

Non semper victus - so hieß es in meinen letzten Bericht und so könnte man den Auftakt gegen Eppingen gerne unter das Motto setzen Beatus ille, qui procul negotiis - glücklich ist der, der fern von Pflichten ist – würde Ilja Schneider sicher aus dem Ärmel schütteln. Aber ob die humanis­tische Bildung auch für die Quellen­be­stimmung gereicht hätte? Bei beim römischen Dichter Horaz, dem Urheber dieser Zeilen, war damals die Begeis­terung für das Landleben gemeint, und in gewisser Weise trifft das ja auch auf die topogra­phische Lage des heutigen Kampfes zu: Hockenheim bzw. Eppingen gegen die Urbanisten aus Hamburg und Berlin. Aber Landluft ist ja bekanntlich gesund und so hieß es denn auch frei aufspielen gegen Eppingen. Die addierte ELO-Zahl 20871 gegen 19878 (also im Schnitt: 124 Elopunkte weniger an jedem Brett) spricht eine deutliche Sprache, wer als Favorit in dieses Match gegangen ist, denn diesmal konnte sich unsere armenische Doppel­spitze erholen, besonders Hrant Melkumyan hatte nach seinem strapa­ziösen, aber erfolg­reichen Abschneiden beim Aeroflott-Turnier in Moskau eine Pause nötig und für Levon Aronjan ist die austra­lische Luft sicherlich reizvoller als der Ausflug in den Süden (unserem Reise­partner Hamburg ist nebenbei bemerkt die Luft nicht bekommen, denn gegen Hockenheim hagelte es eine schreck­liche 6:2-Niederlage, was die Sauer­stoff-Probleme im Abstiegs­kampf sicher noch erhöhen dürfte, ein ungewohntes Szenario für die Hanseaten).

Neben seinen Latein­fä­hig­keiten hat Ilja auch heute schachlich geglänzt und gegen Arik Braun einen überzeu­genden und schnellen Sieg erzielt. Bereits nach drei Stunden hieß es 1:0 für die Schach­freunde. Der einstige Jugend­welt­meister hatte wohl einen schlechten Tag, vermutlich steckt ihm noch das (fiktive) Simultan-Ereignis in einer Berliner Schule in den Knochen, glaubt man denn der Ankün­digung auf den Seiten des Berliner Schach­ver­bandes, die ein solches für den 24. Februar ankün­digten (ich vermute dahinter dennoch eine Falsch­meldung, denn ich konnte heute keinen Bericht mehr darüber finden). Anschließend gab es einige Remis­ent­schei­dungen, unser Neuzugang Peter Michalik spielte ein ungefähr­detes Remis gegen Csaba Balogh heraus und auch Rainer hatte mit den schwarzen Steinen relativ schnell Ausgleich gegen Robert Ruck erzielt. Obgleich er immer optisch besser zu stehen schien, war die Remis­breite nicht überschritten, als dann auch Lars sich in ein Remis durch Zugwie­der­holung fügen musste, stand es 2,5 zu 1,5 für uns. Aller­dings begann sich das Blatt in der Spitzen­partie zwischen Martin Krämer und Ferenc Berkes bedrohlich zugunsten des Ungarn zu wenden. Martin, der sich über die Zeitkon­trolle gerettet hatte, gab in zugege­be­ner­maßen schwie­riger Stellung nach dem fulmi­nanten Angriffszug Kg7 (Achtung: Ironie) auf, aber: Mors certa, hora incerta. Vielleicht ist Martin doch ein wenig mehr Nicht-Zutrauen in die Fähig­keiten seiner Gegner zu wünschen, ein wenig Fein-Tuning in der Prognostik ist hier nicht verkehrt, schließlich verdanken wir ebensolchen dem Umstand, dass wir überhaupt in dieser Saison in der Bundesliga spielen können (remember? Das Wunder von Hamburg!). Bei dem Stand von nunmehr 2,5 zu 2,5 und noch drei laufenden Partien, die allesamt Remis­breite auswiesen (was Arnd Lauber und Rafal Antoniewski auch erreichten), war Dennes am Ende in einem schwie­rigen Turmen­spiel nach hartem Kampf Zoltan Medvegy unter­legen, sodass eine knappe und etwas unglück­liche Niederlage gegen Eppingen heraus­sprang. Dennoch macht es Spaß, unserer Mannschaft in diesem Jahr zuzuschauen. Am Rande sei erwähnt, dass die übrigen Partien keine sonder­lichen Überra­schungen aufwiesen, die heutige Niederlage also keine Konse­quenzen hat, denn zumindest rechne­risch ist noch nicht alles in trockenen Tüchern. Morgen treten wir gegen Hockenheim an und vielleicht gilt dann: victus certa, hora incerta!

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