Solingen mit stumpfen Klingen

von am 29. September 2011 in ECC 2011, Europapokal

Solingen mit stumpfen Klingen

Einen ungefähr­deten 4,5-1,5 Sieg landeten die Schach­freunde Berlin in der 5. Runde des ECC in Rogaska Slatina (Slowenien) gegen die SG Solingen. Mit etwas Glück wäre sogar die Höchst­strafe möglich gewesen, was aber nicht verdient gewesen wäre.

An Brett 1 besiegte Arnd Lauber seinen „Stamm­kunden“ GM Alexander Naumann und erhöhte seine Score im direkten Vergleich auf 3-0. Der Gründfeld-Inder lief diesmal viel besser als gegen Peter Svidler zwei Runden zuvor.

An Brett 2 kam es im Duell des Schach­bun­desliga e. V. Präsidums zwischen IM Markus Schäfer (Präsident) und GM Rainer Polzin (Vizeprä­sident) zu einer vergleichs­weise ruhigen Drachen­va­riante. Im Mittel­spiel wählte Rainer ein Manöver, von dem er sich Vorteil versprach und ihm auch einbrachte. Beiden Akteuren entging dabei aber ein riesiges Loch in der Variante, die dem Solinger Dame gegen Turm und Läufer einge­bracht hätte. So stand Rainer sehr gut, vergab in der Folge aber seinen Vorteil und die Partie endete Remis.

An Brett 3 war Joachim Wintzer dabei, eine Glanz­partie abzuliefern. Ein Abtausch­va­riante des Damen­gambit mit entge­gen­ge­setzten Rochaden lief völlig schief für Schwarz. Es war nur noch die Frage, wo Joachim reinopfern würde. Er entschied sich für einen Läufer auf g6 statt einen Turm auf h7. Leider hat er damit die falsche Wahl getroffen. Schwarz vertei­digte sich sehr gut und in Zeitnot war es schnell zu Ende.

Eine sehr schöne Partie lieferte Jan Lundin an Brett 4 ab. Sein Gegener wähtle den so genannten Botvinnik-Aufbau der Engli­schen Eröffnung. Jan wählte den inter­es­santen Plan mit h7-h5, wonach überra­schen­der­weise beide lang rochierten. Während Weiß am Damen­flügel angriff, entfaltete der Schwede in Berliner Diensten Aktivi­täten am Königs­flügel in Kombi­nation mit einem Zentrums­durch­bruch, die sein Gegner in Zeitnot nicht parieren konnte. Daraus resul­tierte nach der Zeitkon­trolle eine Mehrfigur sowie ein Freibauer auf h3. Kurz danach war der volle Punkt einge­fahren.

Einen guten Sieg verzeichnete auch Robert Glantz an Brett 5. In einer Vorstoß-Variante im Caro-Kann wählte sein Gegner einen ihm unbekannten Zug. Danach hatte Robert zwar struk­tu­relle Schwächen aber das Läuferpaar und Aktivität gegen den im Zentrum stehenden König. Robert entwi­ckeltete immer stärkeren Druck, dem sein Gegner irgendwann nicht mehr gewachsen war.

Eine komische Partie entwi­ckelte sich bei Christoph Nogly am 6. Brett. Nach einer anspruchs­losen Eröffnung mit vielen Abtäu­schen hatte der Solinger Andreas Peschel quasi seinen Anzugs­vorteil (wenn nicht sogar mehr) an Christoph abgetreten. Aller­dings hielt seine passive Stellung ziemlich gut zusammen. Auf eine Königs­flü­gel­ak­ti­vität mit g4 dachte Christoph, mit h5 kontern zu können. Dieser Zug hatte aller­dings ein riesiges Loch. Glück­li­cher­weise entging auch Andreas diese Möglichkeit und einen Zug später unterlief ihm der wohl partie­ent­schei­dender Fehler.

Morgen geht es gegen die sehr starken Israelis aus Beer Sheba. Bitte alle verfüg­baren Daumen drücken insbe­sondere für Arnd, der noch Chancen auf die finale GM-Norm hat.

SF Berlin - SG Solingen 4,5-1,5
Arnd Lauber - Alexander Naumann 1-0
Rainer Polzin - Markus Schäfer 12
Joachim Wintzer - Thomas Michalczak 0-1
Jan Lundin - Milon Gupta 1-0
Robert Glantz - Dr. Axel Scheffner 1-0
Christoph Nogly - Andreas Peschel 1-0

Autor: rp -- 29.9.2011 23:14:43

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