Schwarzer Freitag für die Schachfreunde

von am 13. Oktober 2006 in ECC 2006, Europapokal

Schwarzer Freitag für die Schachfreunde

Freitag der 13. an Tisch 13 - das konnte ja nicht gutgehen. Aber was in der Mannschaft der Schach­freunde Berlin in der sechsten Runde des Europa­pokals für Vereins­mann­schaften (ECC) widerfuhr, geht nicht mehr auf die berühmte Kuhhaut. Aber von Anfang an.

Gegner waren die Isländer vom Reykjavik Chess Club. Elo-Favoriten gab es keine: An jedem Brett trafen Spieler mit fast gleicher Wertungszahl aufein­ander. Und der Wettkampf begann vielver­spre­chend für uns, konnten wir doch in den meisten Duellen angenehme Stellungen und spürbaren Zeitvorteil verbuchen.

Den ersten Punkt fuhr Christoph Nogly an Brett sechs ein. Er folgte einer Partie, die sein Gegner vor kurzem beim Reykjavik Open gespielt hatte. Dieser wich aus Angst vor einer Verbes­serung zuerst ab. Es kam zur typischen Belagerung des c4-Bauern im Nimzo-Inder. Bevor er langsam zu Grunde ging, öffnete Weiß die Stellung und ging auf Königsjagd. Dabei verlief sich seine Dame und es war der weiße König, der plötzlich schutzlos war.

Eigentlich ein guter Auftakt, aber dann begann das Unheil. Stephan Berndt kam gut aus der Eröffnung raus. Dann verkom­pli­zierte sich die Partie zusehends und beide Spieler kamen in horrende Zeitnot. Als Stephan dachte, den Sieg einge­fahren zu haben (Dh5), hatte Weiß plötzlich unheim­liches Glück in der Stellung. Nach Txe6 steht er im höheren Sinne auf Gewinn. Da war es egal, das Stephan im 40. Zug noch den Turm auf d2 einstehen ließ.

An Brett drei spielte Martin Borriss eine Traum­partie. Das doppelte Figuren­opfer ist z. B. aus mehreren Shirov-Partien bekannt. Martin hatte aber keine exakten Theorie­kennt­nisse, sondern fand das meiste selbst. Der Angriff führte schließlich zu einem Turmend­spiel mit zwei Mehrbauern, das sein Gegner - der Bundes­li­ga­spieler Hedin Stein­grimmsson - zu einem Bauernend­spiel mit Minus­bauern abwickelte. Eigentlich erwartete jeder die schwarze Aufgabe, aber Stein­grimmsson kämpfte unver­drossen weiter - und wurde dafür auch noch belohnt! Martin war klar, dass natürlich sowohl 44.a3 also auch 44.b5 gewannen. Leider dachte er das gleich auch über 44.bxa5 und sah, als er den Bauern los ließ, schon die Katastrophe.

Statt erneuter Führung blieb es beim Unent­schieden. Inzwi­schen war aber klar, das Rainer Polzin am ersten Brett eine vorteil­hafte Mittel­spiel­stellung verdorben hatte und verlieren würde. Lars Thide dagegen hatte sich aus einer Verlust­stellung inzwi­schen wieder zurück­ge­kämpft, aber nun konnte Ilja Schneider durch einen Sieg nur noch ein Unent­schieden retten. Nach der Eröffnung hatte er zwar das Läuferpaar, aber Schwarz trotzdem keine Probleme. Dann beging sein Gegner einige Ungenau­ig­keiten, wodurch Ilja einen Bauern gewann. Leider ließ er durch ein paar ungenaue Züge Schwarz zu Gegen­spiel kommen. Doch das wahre Drama begann gerade erst.

Im bestreben, seine Mehrbauern voran­zu­treiben, lief Ilja geradewegs in eine Sprin­ger­gabel, die einen glatten Turm kostetet. Doch er gab nicht etwa sofort auf, sondern peitschte seinen f-Bauern bis nach f7. Als Schwarz das Umwand­lungsfeld f8 scheinbar sicher kontrol­lierte und alle mit der Aufgabe rechneten, entkorkte Ilja f8Springer!!. Dadurch kam Schwarz nicht zu der geplanten Sprin­ger­gabel, die jede andere Figur gewonnen hätte, und musste sich ins Remis fügen.

Endstand: 2,5-3,5, aber eigentlich war sogar ein 5-1 möglich. Wie gesagt, Freitag der 13. und Tisch 13.

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