NAO Paris neuer Champion

von am 5. Oktober 2003 in ECC 2003, Europapokal

NAO Paris neuer Champion

Gestern abend ging die Abschluss­feier im Creta Star über die Bühne. Madame Ojeeh, die Pariser Mäzenatin, war einen Tag vor der letzten Runde nach Kreta gereist, um ihre Mannschaft NAO Paris gegen Beer-Sheva siegen zu sehen. Sie wurde nicht enttäuscht. Die um ihre russi­schen Spizen­brettter Grischuk und Swidler sowie den Engländer Adams und den Spanier Vallejo verstärkte franzö­sische Natio­nal­mann­schaft hat die Veran­staltung dominiert.

Kritisch war der Zweikampf mit dem Russi­schen Meister Ladja Kasan in der fünften Runde. Hier riss Garri Kasparow mit einem Kraftakt gegen Alexander Grischuk das 3:3 für die Tataren aus dem Feuer. In der nächsten Runde war der dreizehnte Weltmeister, der bis dahin mit 4/4 geglänzt hatte, aller­dings der negative Held. Er übersah gegen Alexander Huzman (Beer-Sheva) eine einfache Kombi, mit der er zwei Bauern einbüßte. Ein unglaub­licher Fehler. Garri spulte seinen Vorrat an Grimassen ab, noch bevor Huzman nach zwei- bis dreimi­nü­tiger Überlegung den Gewinnzug ausführte und dann das Brett verliess. Kasparow spielte noch einen Zug, gratu­lierte dann seinem Gegner und schimpfte draußen vor dem Hotel in Gegenwart seiner Mutter Klara und seines Sekun­danten Dochojan weiter. Lag es an der Hitze?

Kasan fiel in der letzten Runde durch eine 2:4-Niederlage gegen Polonia Warschau noch auf den fünften Rang zurück. Eine Riesen­ent­täu­schung für den russi­schen Landes­meister.

Joel Lautier vom Siegerteam NAO Paris kriti­sierte später, dass ihnen kein Kasaner zum Sieg gratu­liert hat. Auch nicht Kasparow, der m. E. als einziger zur Sieger­ehrung gekommen war. Groß war im übrigen Kasparows Entsetzen, als er zur Entge­gen­nahme eines Ehren­preises (Trost­preises?) nach vorn gebeten wurde. Er setzte bereits sein 03er-Linares-Wutge­sicht auf, als er sich doch noch bekehren liess.

Werder Bremen lieferte zum Abschluss einen tollen Kampf gegen das sibirische Team von Tomsk-400-Yukos. Die Partie Hracek-Morose­witsch, in der der Bremer unter Druck stand, ging praktisch über die volle Distanz. Das 3:3 sicherte den Werde­ranern, die mit drei Profis und drei Amateuren spielten, einen guten zwölften Platz.

Die Schach­freunde Neukölln spielten in der vorletzten Runde gegen Alkaloid Skopje (Akopjan, Tkatschiew plus die mazedo­nische Natio­nal­mann­schaft). Am wohlkli­ma­ti­sierten Tisch sechs! Das 1-5 fiel zu hoch aus und wirkte wie eine kalte Dusche. Insbe­sondere für Rainer Polzin, der gegen Wladimir Akopjan (Elo 2703) erst 40... Df3 (statt 40... De6) mit Minivorteil und später einen Remisweg ausließ und seine GM-Normchancen begraben musste.

Der Ausklang gegen Barbican London war mit dem 2,5:3,5 ziemlich trist. Unser Team hatte sein Pulver in den Duellen gegen die Topteams aus Tomsk, beim hart umkämpften 2:4 gegen Titel­ver­tei­diger Bosna Sarajevo und gegen Skopje verschossen. Vom Platz her (29.) ist das Abschneiden eine kleine Enttäu­schung. Aber allein die Tatsache, dass unsere Buchholz-Wertung (teils deutlich) höher war als die vom dritt­pla­zierten Team Kiseljak und auch von Bosna Sarajevo, zeigt, dass wir über das Turnier hinweg keine schlechte Rolle gespielt haben.

Endstand: 1. NAO Paris 13-1 (30), Polonia Warschau 12-2 (29), 3. Kiseljak 12-2 (29), 4. Nikel Norilsk 11-3 (26,5), 5. Ladja Kasan 10-4 (28,5), 6. Lentransgas St. Petersburg 10-4 (27,5), 7. Beer Sheva 10-4 (25,5), 8. Tbilissi 10-4 (22), 9. Alkaloid Skopje 9-5 (30,5), 10. Zalae­gerszeg 9-5 (27), 11. Tomsk 400 9-5 (25), 12. Werder Bremen 9-5 (25), 13. Polfa Grodzisk Mazowiecki 9-5 (24,5)

NAO Paris-Beer Sheva 4-2, Polonia Warschau-Ladja Kazan 4-2, Kiseljak-Alkaloid Skopje 3,5-2,5, Wesnjanka Minsk-Nikel Norilsk 1-5, Tbilissi-Bosna Sarajevo 3,5-2,5, Tomsk 400-Werder Bremen 3-3 (Khalifman-McShane remis, Morose­witsch-Hracek remis, Kobalija-Babula remis, Bjelo­serow-Knaak remis, Filippow-Joachim remis, Landa-Heissler remis), Shlomo Tel Aviv-Lentransgas St. Petersburg 0,5-5,5, Eynatten-Zalae­gerszeg 2,5-3,5, Polfa Grodizisk Mazowiecki-CRE Liege 5-1, Corpora Martin-Jyväskylä 4,5-1,5, Momot SC-Kydon SC Chania 5-1, SF Neuköllln-Barbican London 2,5-3,5 (Polzin-Parker remis, Berndt-Kelly remis, Borriss-Palliser 0-1, Poldauf-Ferguson remis, Thiede-Cox remis, Wendt-Taylor remis) , Limhamns SK-Skolernes Aarhus 3-3, Witebsk-SK Glasinac 5-1, Clichy 92-Sparkasse Gleisdorf 4-2, Austria Graz-TZ Trinec 1-5, Herakleion-Drita: Therandë 2-4, Asker Schahhlubb-Hellir Reykjavik 3,5-2,5, Tscha­turanga Wien-Joensuu SC 1-5, Nidum Liberals-Rochade Eupen 0,5-5,5, Phibsboro-Cardiff SC 2,5-3,5, SC Ankara-SC Belfast 5-1, spielfrei: de Sprenger Echternach

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